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Liebe Freund*innen des Theaters und

Liebe Freund*innen des Theaters und


Schauspiel-Enthusiasten, verehrtes Publikum,

Schauspiel-Enthusiasten, verehrtes Publikum,



Pit Holzwarth

 

ich begrüße Sie zu meiner nunmehr zehnten Spielzeit am Theater Lübeck. Wir haben gemeinsam viele Berge erwandert. Sie sind mir und meinem Team auf den vielen abwechslungsreichen, manchmal nicht ganz einfachen Routen zahlreich und zugewandt gefolgt. Ursprünglich wäre 2016/17 meine letzte Spielzeit in Lübeck gewesen: Ich bin sehr glücklich darüber, dass die Verantwortlichen der Stadt meinen Vertrag bis 2020 verlängert haben. Ich möchte Sie weiter für das Theater als »geistige Lebensform« begeistern. Nur das Spiel ist fähig, die Menschen in Begeisterung zu versetzen und ihren durchökonomisierten Alltag zu unterbrechen. Diese Begeisterung nennt der niederländische Kulturtheoretiker Johan Huizinga den »Heiligen Ernst« des Spiels.

 

Die Theaterstücke, die Sie in der neuen Spielzeit erwarten, erfinden das ewige Spiel immer wieder neu - die Inhalte und Formen verändern sich wie das Leben und die Künstler, die es anschauen und die Theaterstücke gestalten. Wir freuen uns, Ihnen eine große Vielfalt an Spielformen und Themen zu eröffnen. Themen, die in unserer Stadt virulent sind und den Blick in die weite Welt heben. Mit Shakespeares »Kaufmann von Venedig« beginnen wir zu fragen nach Handel und Religion - wie leben Außenseiter in Mehrheitsgesellschaften? Günter Grass wirbelt mit der »Blechtrommel« fabelhaft und mit hintersinnigem Humor unsere Geschichte auf; betrachten wir die Welt mit Oskar Matzerath von unten, was sähe er am Anfang des dritten Jahrtausends? Unterschiedliche Autor*innen, Regisseur*innen und das Ensemble laden Sie ein zum Spiel.

 

Im Spiel werden Grenzen überschritten oder verschoben, es lädt ein, ungewohnte Perspektiven einzunehmen und die Realität wie neu zu erleben und zu denken. Das Theaterspiel öffnet Freiheiten, wie die Demokratie selbst: gemeinsam, mutig und offen über die Welt nachzudenken und Wege zu finden - hinauf zu den Gipfeln und auch in die verborgenen Täler.

 

Im Gegensatz zu den Diskursen im Theater werden auf der politischen Bühne Europas alte Grenzen errichtet, wird der Nationalismus beschworen, um den enormen Reichtum dieses Kontinents ungeteilt genießen zu können. Ein Teil der politischen Eliten will durch einen Wettbewerb an Unfreundlichkeit Menschen davon abhalten, vor Krieg, Hunger und Terror nach Europa zu fliehen. Wir sehen, dass dieses Lob der Grenzen hilft, alte Barrieren des Geistes wieder neu zu errichten. Durch den permanenten medialen Alarmund Stresszustand, in dem sich auch die europäischen Gesellschaften befinden, werden von Teilen der politischen Elite wahrscheinlich einfache, unterkomplexe, autoritäre, unmenschliche Antworten auf die großen Herausforderungen unserer Zeit gegeben werden. Die Sorge, dass neue Verfeindungsstrategien unsere Welt erschüttern werden, darf uns nicht lähmen oder ohnmächtig zurück lassen. Bleiben Sie mutig in ihrem Denken, bleiben Sie offen und freundlich und informieren Sie sich gut. Wir haben spannende, zeitgemäße Themen, interessante Stücke und starke Regieteams für Sie zusammengestellt. Theater ist die beste Klimapolitik für eine wohltemperierte weltoffene Stadt. Genießen Sie auf den nächsten Seiten unseren neuen Spielplan 2016/17. Wir freuen uns auf Sie und Ihre Freunde!

 

 

 

Ihr

Pit Holzwarth

(Schauspieldirektor)