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Geschichte

Geschichte




Theatervorstellungen sind in Lübeck seit über 500 Jahren zu erleben. Seit gut 250 Jahren kommt man dafür in die zentral gelegene Beckergrube, wo noch heute zwischen Wohn- und Geschäftshäusern der Theaterbau mit seinen mittlerweile drei Bühnen zu finden ist.

 

Anfangs waren die Theaterdarbietungen in Lübeck noch an bürgerliche oder kirchliche Institutionen gebunden wie die spätmittelalterlichen Kaufmannsverbindungen der »Zirkelgesellschaften« oder – mit der Reformation – die Schulspiele der Lateinschule St. Katharinen. Noch gab man sich mit Laiendarstellern zufrieden.

 

Ab dem 17. Jahrhundert besuchten Wanderbühnen die Stadt, 1637 erstmals schriftlich bezeugt. Damit war der erste Schritt in Richtung einer freien, unabhängigen Theaterausübung getan. Die Truppen traten meist auf dem Marktplatz auf, später auch in geeigneten Privathäusern.

 

In der Mitte des 18. Jahrhunderts beherbergte immer öfter der besonders theaterbegeisterte Zimmermeister Hermann Hinrich Schröder die Truppen in seinem Haus in der Königstraße, Ecke Wahmstraße.

 

1751 wurde dieser Brauch offiziell, indem Schröder für die Aufführungen in seinem Haus von der Stadt das Theaterprivileg erhielt. Schon 1746 erlebte Lübeck hier seine erste Opernaufführung, »Ipermestra«, dargeboten von einer italienischen Operntruppe unter Leitung von Pietro Mingotti, der am Schröderschen Haus auf eigene Kosten für die Belange der Oper notwendige bauliche Veränderungen vornehmen ließ. Damit begann die lange Reihe der Theaterneu- und Umbauten, die immer wieder die Räumlichkeiten den steigenden Komfortansprüchen des Publikums anzupassen, Fortschritte in der Bühnentechnik zu ermöglichen und später auch Sicherheitsbelange zu berücksichtigen suchten. Einen wesentlichen Schritt tat in dieser Entwicklung angesichts des Erfolgs in seinem Haus Hermann Hinrich Schröder: Auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten, die sich vor allem für die aufwändigeren Opernaufführungen auf Dauer besser eignen, stieß er auf den leerstehenden »Lüneburger Hof« in der Beckergrube. 1753 eröffnete er hier ein einstöckiges Logentheater.

 

Damit war die bis heute gepflegte Tradition des Lübecker Theaters in der Beckergrube mitten in der Altstadt begründet. Nach 25 Jahren verkaufte Schröder das Haus an die Brüder Hinrich und Johannes Ebbe, die es als »Ebbesches Theater« weiterführten und allmählich den sich wandelnden Bedürfnissen des Lübecker Bürgertums anpassten. Kurz vor der Jahrhundertwende, im Jahr 1799, trat an die Stelle der wechselnden Wanderbühnen in erweiterten Räumlichkeiten erstmals ein stehendes Theater mit einem festen Ensemble. Regelmäßig wurden nun Schauspiel- und Opernvorstellungen hier geboten, bis 1857 das Bedürfnis nach einem zeitgemäß ausgestatteten, repräsentativen Gebäude wieder so groß wurde, dass unter der Federführung einer aus Mitgliedern des Senats und aus wohlhabenden Kaufleuten sich begründenden Aktiengesellschaft, der Casino-Gesellschaft, ein kompletter Theaterneubau nach den Plänen des Eisenbahnbaudirektors Benda beschlossen und begonnen wurde. Am 3. März 1857 schloss das alte Theater seine Türen endgültig. Am 3. März 1858 – vor nunmehr 150 Jahren – wurde zur Begeisterung des Publikums erstmals in Lübeck ein von Grund auf zu diesem Zweck konzipierter Theaterbau eröffnet, der neben der Bühne auch verschiedene Gesellschaftsräume enthielt. Knapp 50 Jahre sollte dieser Neubau Bestand haben. Hier fanden beispielsweise die Lübecker Erstaufführungen von »Der Ring des Nibelungen« (zunächst ohne »Götterdämmerung«), »Die Meistersinger« oder »Tristan und Isolde« statt. Die von Thomas Mann beschriebenen Wagner-Erlebnisse hat man sich hier im Casino-Theater vorzustellen, wo im Repertoiresystem eine große Bandbreite an Schauspiel- und Opernaufführungen zu sehen war.

 

Doch die Entwicklung ging weiter: Es mehrten sich Beschwerden über die Unbequemlichkeit des Zuschauerraums. So kam es der allgemeinen Stimmung entgegen, dass jüngere Erkenntnisse in Fragen der Feuersicherheit, verschiedene spektakuläre Theaterbrände seit Ende des 19. Jahrhunderts und schließlich verschärfte Sicherheitsgesetze den Senat zur Schließung des alten Theaters zu Ostern 1905 veranlassten.

 

Damit stellte sich die Frage nach der Zukunft des Theaters in Lübeck neu. Schnell einigte man sich darauf, einen Neubau und nicht etwa einen Umbau des alten Theaters anzustreben. Doch wo sollte die neue Bühne errichtet werden? Gerade vor dem Hintergrund der Brandschutzargumentation favorisierten viele ein freistehendes Theater, wie es in den meisten deutschen Städten zu finden war. Über neun Monate dauerte die Bauplatzdebatte. Die Theaterfrage drohte zur Farce zu werden, bis endlich Senator Emil Possehl den Gordischen Knoten durchschlug und mit einem an ein Ultimatum gebundenes Angebot einer großzügigen Grundstücksschenkung Ende 1905 die Entscheidung herbeiführte: Gebaut wurde auf dem angestammten Theaterareal in der Beckergrube.

 

Ein Wettbewerb unter den bedeutendsten Theaterarchitekten der Zeit entschied über die Vergabe des Projektes, das in der Ausschreibung folgendermaßen charakterisiert wurde: »Das Theater soll zur Aufführung von Opern und Schauspielen benutzt werden. Die Bühneneinrichtung ist so zu treffen, dass das Haus sowohl für die Wagner’sche Oper, wie auch für das Konversationsstück benutzt werden kann.« Die Wahl fiel zugunsten eines in sich geschlossenen Jugendstil-Entwurfes von Professor Martin Dülfer aus. Am 1. Oktober 1908 öffnete das neue Theater seine Pforten und erstaunte, begeisterte und befremdete das Publikum mit seinem reichen, ungewohnten Jugendstildekor – allem voran im Großen Haus mit seiner von Meeresornamentik geprägten Decke. Schon zur Eröffnungsfeier kam das Orchester des Vereins der Musikfreunde zum Einsatz, das heutige Philharmonische Orchester, das neben seinen Sinfoniekonzerten fortan auch die Opernaufführungen im neuen Haus spielte. Musste in den ersten 13 Jahren das Große Haus noch alle Opern- und Schauspielaufführungen beherbergen, so gewann das Theater 1921 vorübergehend die »Kammerspiele am Fünfhausen« als Bühne v. a. für das zeitgenössische Schauspiel hinzu, die 1925 dann von dem zu den »Kammerspielen« umgewidmeten »Marmorsaal« abgelöst wurden. Zur Studiobühne mauserte sich später das ehemalige Speisezimmer, das seit dieser Spielzeit als »Junges Studio« ein neues Profil gewonnen hat.

 

Mit dem Dülferschen Theaterbau hat Lübeck 1908 einen Ort gewonnen, an dem sich seither das Lübecker Theaterleben nun im 101. Jahr konzentriert. Dazwischen lagen Zeiten des Wohlstands und der Mittelknappheit, zwei Weltkriege, die das Theater glücklicherweise ungeschadet überstand, verschiedene Umbaumaßnahmen und schließlich eine umfassende Sanierung zwischen 1993 und 1996, die die alte Jugendstilpracht zu neuem Glanz brachte, den Standard des Hauses in technischer und sicherheitstechnischer Hinsicht verbesserte, der aber die dritte Sparte des Theaters, das Ballett, zum Opfer fiel.

 

In der Spielzeit 2008/2009 feierte das Theater Lübeck sein 100. Jubiläum und erinnerte in zahlreichen Veranstaltungen an die vielfältige Geschichte des Hauses, gab Einblicke in die Theaterarbeit und präsentierte sich einmal mehr als kulturelles Kraftzentrum der Hansestadt Lübeck.