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Quartett
Was soll mir ein Wild
ohne die Wollust der Hetze.
Liebe und Hass, Leidenschaft und Laster, Tod und Teufel – Heiner Müller zeichnet in seiner Bearbeitung von Choderlos de Laclos’ Briefroman »Gefährliche Liebschaften« ein geistreich-gewitztes, sprachgewaltiges, gleichzeitig bösartiges wie überaus komisches Spiel um die Vorherrschaft in der »Liebe«, einen perfiden Kampf der Geschlechter. Müller hat die Vorlage zugespitzt auf die diabolischen Protagonisten: die Marquise de Merteuil und den Vicomte de Valmont. Für die beiden ist Liebe nur ein Sekret, der Körper eine Maschine, die erotische Eroberung ein zu erlegendes Wild und die Gefühle des Partners eine Klaviatur von Möglichkeiten, derer man sich bedienen kann. Mit geschliffenen Dialogen und ohne Rücksicht auf die verhängnisvollen Folgen liefern sich die beiden einen gnadenlosen Fight. Ihre Verführungskünste spielen sie mit großem Genuss an der Grausamkeit und eiskaltem Zynismus an »unschuldigen Opfern« durch. Im lustvollen Rollentausch – so schlüpft Merteuil etwa in die Rolle des männlichen Verführers und Valmont nimmt die Rolle der stolzen und tugendsamen Madame de Tourvel ein – kokettieren sie auch mit Geschlechterklischees. Wie Madame de Tourvel, so fällt auch die blutjunge Volange dem Charme Valmonts anheim. Doch was ist Realität und was Fiktion? Und was verbirgt sich hinter dem grausamen Spiel? In Heiner Müllers vielschichtigem Text versteckt sich hinter jeder Bedeutung eine andere – und was kann man diesen abgefeimten Meistern der Verstellung schon glauben? Oder scheint hinter der Kälte der Wortkaskaden etwa doch eine heiße Hassliebe durch? Unter der Maske der höfischen Etikette sieht man in Merteuil und Valmont zwei Raubtiere, die sich am Abgrund der Apokalypse in einem Totentanz umkreisen.
Heiner Müller siedelt sein faszinierendes Endspiel in einem Salon vor der Französischen Revolution oder in einem Bunker nach dem dritten Weltkrieg an. Mit spitzer Feder hat er damit nicht nur ein Pas de deux der Liebesintrigen geschrieben, er enthüllt auch die Abgründe der menschlichen Seele und zeigt uns eine existenzielle Auseinandersetzung zwischen Mann und Frau, eine Art Endzeitkampf mit allen Mitteln und Waffen, einen Danse macabre.

Wiederaufnahme Herbst 2019, Junges Studio


Foto © Falk von Traubenberg

Dauer ca. 1 Stunde (keine Pause)

Inszenierung Friederike Harmstorf
Ausstattung Sammy Van den Heuvel
Musik Carolina Bigge
Dramaturgie Katrin Aissen