Home    Termine    Spielzeit    Ensemble    Theaterpädagogik    Service    Kartenkauf online    Extras    Junges Publikum
Lenz
»Er ging gleichgültig weiter, es lag ihm nicht’s am Weg, bald auf- bald abwärts. Müdigkeit spürte er keine, nur war es ihm manchmal unangenehm, daß er nicht auf dem Kopf gehn konnte.«
Selbst auf der Flucht und in ungewisser Wartesituation, schildert Georg Büchner die rastlose Wanderung des jungen Schriftstellers Jakob Michael Reinhold Lenz im Jahr 1778. Wie Büchner schrieb der Sturm-und-Drang-Dichter Lenz an gegen die herrschenden Verhältnisse, wagte ästhetisch und politisch einen Aufbruch, solidarisierte sich mit den Machtlosen und Armen. Seine Forderung nach gründlicher Gerechtigkeit: »Ich verlange in allem Leben, Möglichkeit des Daseins, und dann ist’s gut wir haben dann nicht zu fragen, ob es schön, ob es häßlich ist«, diese Forderung kommt zu früh für seine Zeit, lässt ihn scheitern, die Wirklichkeit fliehen.

Das Gefühl für Zeit und Raum, für Kälte hat Lenz in der Erzählung verloren – seltsam seiner Erschöpfung enthoben, wandert er nüchtern, augenblicklich kosmisch glücklich und im nächsten Moment tief einsam und angstvoll durch die Berge. Im Dorf findet er bei dem Pfarrer Oberlin einige Wochen Unterschlupf, Oberlins Berichte und Briefe von Zeitgenossen verwendet Büchner für seine berührende Erzählung eines zerrissenen Menschen in der Landschaft.

Lenz sucht Ruhe, doch seine Aufregung steigert sich, sein Geisteszustand verschlechtert sich: Die Begegnung mit einem Freund, die Aufforderung des Vaters zur Rückkehr und die Abwesenheit des Pfarrers versetzen ihn in wahnsinnige Verzweiflung. Schließlich lässt Oberlin ihn nach Straßburg fahren: »Er tat Alles wie es die Andern taten, es war aber eine entsetzliche Leere in ihm, er fühlte keine Angst mehr, kein Verlangen; sein Dasein war ihm eine notwendige Last. – So lebte er hin.«

Lars Wellings, seit dieser Spielzeit neu im Schauspielensemble, erarbeitete bereits 2005 am Staatstheater Wiesbaden mit Christian Schneller ein Lenz-Schauspiel. Mit der jungen Regisseurin Gertje Graef begibt er sich in Lübeck erneut in Büchners bizarre Textlandschaft. Auf der leeren Studiobühne nähert er sich dem wandernden Schriftsteller, seiner Wahrnehmung und seinem Wahn, die Büchner mit erstaunlicher Präzision und Poesie in eindringlichen Bildern beschreibt.


© Oliver Fantitsch


Premiere
20/10/17

Junges Studio
Die nächsten Termine
Fr
20/10/17
20.00 Uhr
Junges Studio

Fr
27/10/17
20.00 Uhr
Junges Studio

Do
09/11/17
20.00 Uhr
Junges Studio

Dauer ca. 1 Stunde, 10 Minuten (keine Pause)

Inszenierung Gertje Graef
Dramaturgie Anja Sackarendt