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Das Licht im Kasten
»Das durchschnittliche T-Shirt wird 1,4-mal im Leben getragen, Sie haben es ja gehört, nein, nicht in Ihrem Leben, in seinem, das arme Ding!«
Um die Mode kreist Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek spitz komödiantisch und mit der ihr eigenen Sprachhellsichtigkeit: Ihre Worte umzingeln Sinn und Unsinn, verweisen aufeinander, werden flüchtig und transparent für Bedeutungen, die in ihnen geschichtet sind – wie raffinierte Kleidung. »Von wenig Dingen verstehe ich so viel wie von Kleidern«, sehr persönlich thematisiert die Autorin in ihrem neuen Stück »Das Licht im Kasten« Mensch und Mode. Eine Bikini-Reklame in einem Leuchtkasten bündelt Betrachtungen über die Erschaffung des Selbst mittels Mode, über den Preis der Einbildung, jemand anders sein zu können und doch einmalig. Gisele Bündchen hängt dort für H &M in einem Strandensemble in der Karibik. In diese Lichterscheinung hinein warnt und wütet Jelinek: »Sie werden nicht neu sein. Sie werden ja nicht einmal, was Sie schon sind, wie sollen Sie dann eine andre werden? Ich sage es, aber ich weiß das auch nur, weil es mir mein Verstand gesagt hat, ich bin allerdings die einzige, die sich auf ihn verlässt, gerade reicht er mir einen Zettel herein, mein Verstand, ich kann ja immer nur kurze Sachen auffassen, und das nicht lang, und kurz und gut, er sagt: Sie sollen kaufen, was Sie schon haben, nur anders, in andrer Form, mit neuem Inhalt.« Beschleunigung, modische Schnelllebigkeit, fast fashion, Ausbeute und Nachhaltigkeit erörtert Jelinek atemlos und kommt auf den Körper: »Die Firma hat schon auf die Frage nach dem Menschen reagiert und ihm gesagt, sein Körper soll doch bitte seine Unbestimmtheit aufgeben und sich endlich für eine fixe Form entscheiden, und wir haben sogar Sonderangebote!« Sie besinnt sich auf das Altern und die eigene Vergänglichkeit, die sich in der ewig neuen Mode spiegeln: »Die Endlichkeit ist das Innerste des Wesens der Mode.«

Regisseurin und Theater Rampe-Intendantin Marie Bues inszeniert nach Kat Kaufmanns »Ich distanziere mich von allem (und jetzt gut’ Nacht)« zum zweiten Mal am Theater Lübeck, es ist auch ihre zweite Jelinek-Inszenierung nach der Schweizer Erstaufführung von »Bambiland« am Theater Basel 2007

Premiere
13/04/18

Kammerspiele
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Fr
13/04/18
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Inszenierung Marie Bues
Bühne Indra Nauck
Kostüme Claudia Irro