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Drei Schwestern

»Funkelnde Bühnenkunst [...]. Das Drama fordert sein Regieteam und sein Personal. Man braucht Humor, um die Tristesse auf die Bühne zu bringen. Lily Sykes hat sich das Stück in Lübeck vorgenommen. Zu sehen sind grandiose Darsteller in einer starken Regiearbeit. [...] Es ist ein von einer Pause durchbrochenes dreistündiges Mirakel, das sich in den Kammerspielen entfaltet. Handlung, eigentlich unabdingbar für dramatisches Geschehen, findet nur verhalten statt. [...] Angesichts des ziellosen Treibens in dieser hellhörigen Villa mit dem Birkenwald im Hintergrund (Bühne: Lena Schmid) droht Langeweile im Publikum, doch in Lübeck nichts dergleichen. Mag es in der inneren und äußeren Pampa öde sein, vor dem Betrachter funkelt Bühnenkunst. Den drei Schwestern gelingt es, bei aller Einigkeit in der Tristesse, höchst unterschiedliche Charaktere herauszuarbeiten. Rachel Behringer hält ihre Verwandlung vom tumben Landei in einen despotischen Hausdrachen dagegen. Starke und erfrischend komödiantische Szenen liefert das alternde (und zum Glück auch von reifen Herrschaften dargestellte) Bediensteten-Paar. Apropos Komik: Lily Sykes scheut nicht vor slapstickähnlichen Eingriffen zurück. Das bekommt dem Drama gut, verdichtet es. Ebenfalls bekömmlich sind Gesang und Gitarrenspiel, die Jan Schöwer als Stabshauptmann Soljony vom Bühnenrand beisteuert.«

(shz)

 

 

 
»Was man in Lübeck zu sehen bekommt, [...] ist ein absurdes Kabinett mit Figuren, deren Handeln demonstrativ ins Nichts läuft, die sich im Dialog darin überbieten, aneinander vorbei zu reden oder über nichts zu philosophieren. Unterhaltsam serviert Lily Sykes das, mit großem Geschick für zugespitzte Dialoge in komischen, manchmal slapstickartigen Szenen. [...] Dass Theatertexte bis zur Unkenntlichkeit gekürzt, Figuren des Originals gestrichen werden, ist heute kaum erwähnenswert. Dennoch geschieht es hier auf besondere Art. [...] Anders ist es im Falle des Staatshauptmanns Soljony mit seinen skurril provokanten Einwürfen. [...] So muss Jan Schöwer in dieser Rolle singen, Schall oder Geräusche produzieren, konsequent bis zu dem Moment, wenn Schöwer alias Soljony aufsteht und im Duell seinen Kontrahenten Tusenbach erschießt. Ein knalliger Einfall! Seltener findet man in Inszenierungen, dass Figuren eingefügt oder aufgewertet werden. [...] Anfissa [...] und Ferapont [...] bekommen hier ein völlig anderes Gewicht. Sie dienen als roter Faden, stehen dem hektischen Betrieb als kontemplative Ruhepole gegenüber. Auch diese beiden Figuren stimmen, wenn auch erfunden, passen sich in das Stück nahtlos ein. Zudem bekommen Karin Nennemann und Sven Simon es fertig, ihren Auftritten eine wunderbare Würde und Dichte zu geben. Die drei Schwestern haben Astrid Färber, Agnes Mann und Sophie Pfennigstorf übernommen. Jede auf ihre Weise intensiv und in einem belustigenden und permanenten Mit- und Gegeneinander. Es gelingt ihnen, im Spiel die Balance in den vielen affektierten wie expressiven Momenten zu halten und sie nicht zu überspitzen. [...] Vincenz Türpe mimt hübsch devot und verhuscht Andrej, den Bruder. [...] Den gefühligen Schwerenöter Werschinin, der sich nie verausgaben muss, zeichnet Matthias Herrmann mit sanften Tönen. [...] Das Stück hat durchweg ein hohes Tempo, ist sehr quirlig inszeniert, begünstigt durch Lena Schmids durchsichtiges Gebilde auf der Drehbühne. [...] der kräftige Applaus [war] gerechtfertigt. Die Inszenierung und die Schauspieler hielten die Spannung.«

(unser-luebeck)

 

 

 

»Wir begleiten die Figuren, alle erfrischend ungekünstelt und berührend gespielt, in ihrem Mikrokosmos, und pendeln mit Ihnen von einer Seelenqual zur nachfolgenden Selbsttäuschung und wieder zurück. [...] Die Enge der äußerlich so gesicherten Existenz wird von Beginn an durch das Bühnenbild widergespiegelt [...]. Beständig wechseln die Handelnden zwischen ihnen wie in einem eng verwobenen Geflecht, das sich zudem um seine Achse dreht. Wir spüren fast körperlich die Ausweglosigkeit des gesicherten Daseins ohne Mission. [...] Das berührt etwas in uns. [...] Es war grandioses und berührendes Theater! Wie hat das Theaterteam das gemacht? Die Besetzung der Figuren war in ihrer Kombination die reine Freude! Mit Astrid Färber als Olga, Agnes Mann als Mascha, Jan Byl als Kulygin, Maschas Mann, Sophie Pfenningstorf als Irina, Vincenz Türpe als Andrej und Rachel Behringer als Natascha. Ausdruckskraft und Dynamik der Darstellung bei allen Rollen erzeugten einen fortlaufenden Spannungsbogen. [...] Die Übergänge von Zwischenzeiten und Aufführung waren weich [...]. Die Kostüme begannen historisch und endeten modern, was eine weitere Annäherung an die Akteure ermöglichte. Der Bühnenmusiker Jan Schöwer, Stabshauptmann Soljony, stellte mit seinem halb aus dem Rahmen fallenden Rollenkonzept ein weiteres Bindeglied zwischen unserer Zeit und den Birkenwaldverlorenen dar. Von der lebendigen Vielfalt und Widersprüchlichkeit der Charaktere erfüllt verlassen wir nach heftigem Beifall [...] das Theater.«

(Offener Kanal Lübeck) 

 

 

 

»Mitten in einem Birkenwäldchen steht ein Glockenturm, dem die Glocke fehlt. Das ist ein reizvolles Symbol für die Sinn- und Trostlosigkeit, die dem Stück anhaftet. [...] Das Bühnenbild von Lena Schmid überzeugt. Die Kostüme sind auch gelungen: Unaufdringlich begleitet Ines Koehler-Klünenberg die Figuren durch sich fein wandelnde Kleidungsstile von 1900 bis ins Heute und versinnbildlicht die Übertragbarkeit des Stoffes ins digitale Zeitalter, wo Menschen wieder einmal abgehängt werden und der alten Zeit nachtrauern. [...] Drei Schwestern sind in die russische Provinz verschlagen worden [...]. Sie verlieren ihre Würde, danach ihre Selbstbestimmung [...]. Das geht bei Tschechow still vonstatten. [...] Und nun kommt die Lübecker Inszenierung und bringt ordentlich Tempo in die Angelegenheit [...]. Das Ensemble füllt die Rollen so, wie die Regie sie angelegt hat: Astrid Färber, Agnes Mann und Sophie Pfennigstorf verkörpern das verzweifelte Dreigestirn Olga, Mascha und Irina. Ausgebootet werden sie von Natascha: Rachel Behringer gibt eine zynische Schwägerin. [...] Matthias Hermann füllt glaubhaft die Rolle des Werschinin, Will Workman die des Tusenbach. Jan Schöwer spielt abgesehen von Stabshauptmann Soljony noch allerlei Gitarren - wodurch eine dezente Untermalung für einige Szenen entsteht. [...] Lily Sykes erzählt das Stück aus der Perspektive der zwei alten Dienstboten Anfissa und Ferapont: Karin Nennemann als Dienerin und Sven Simon als Faktotum sind großartig. Auch der Einfall, den drei erwachsenen Schwestern drei kleine Schwestern (Aimée Gering, Frieda Maetzel und Talia Cakmak) an die Seite zu stellen, die die verlorene Vergangenheit aus Kinderzeiten symbolisieren, geht auf.«

(Lübecker Nachrichten)