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»Nach exakt 140 Minuten ohne Pause war der Beifall für die Darsteller und das Regieteam groß. [...] Rache ist süß, weiß man vom Sprichwort und vom Film her. Aber so einfach geht das bei Clara Weyde nicht auf. Mehr zu verraten, wäre genauso, als verriete das Programmheft bei einem Krimi den Mörder. [...] Hängen bleibt die Auseinandersetzung um das Böse. Denn bitterböse werden alle sieben Dörfler, auf die das Personal in den Kammerspielen reduziert ist. Weil man sich als Zuschauer vom Spiel einfangen lassen könnte, wird immer wieder Distanz hergestellt. [...] Clara Weyde zeigt über weite Strecken die pure Idylle. [...] Natürlich schlägt die Stimmung um, just am Nationalfeiertag. [...] Acht Darsteller bescheren dem Publikum einen spannenden Theaterabend. Agnes Mann als Grace ist fast übermenschlich menschlich, versteht nahezu alles und alle. Eine überzeugende Leistung! Tom, den edlen Retter und Moralisten, spielt Johann David Talinski in kurzen Hosen. Frühlingserwachen? Junge Liebe oder nur Berechnung? Susanne Höhne ist die Freundin Liz, die zur bissigen Gegnerin wird. [...] Robert Brandt (Ma Ginger) spielt die Geschäftsfrau, geifernd und wetterwendisch, wie Geschäfte und Gesellschaft es erfordern. Der Ben von Matthias Hermann wandelt sich vom schuldbeladenen Bordellbesucher zum Sexprotz, und bei der frommen Martha (Henning Sembritzki) sitzt jede Bewegung. Nein, es wird nicht drauflos geballert. Es bleibt eine fast intellektuelle Auseinandersetzung um Schuld und Sühne.«

(Lübecker Nachrichten)

 

 

 

»Ähnlich wie bei Friedrich Dürrenmatts ›Besuch der alten Dame‹ ist ›Dogville‹ ein Stück der Rache. Aber anders als bei Dürrenmatt wird die Rache, zumindest in der Lübecker Fassung und unter der Regie von Clara Weyde, nicht genüsslich ausgekostet. Manches bleibt Andeutung, und das reicht durchaus zum Verstehen. [...] Eine Erzählerstimme bringt über Lautsprecher von Zeit zu Zeit die Handlung weiter, die zielstrebig dem bitteren Ende zutreibt. Clara Weyde bietet keine platte Schlusslösung, sondern Auseinandersetzung, Denkanstöße bis fast zum Ende. Große Leistungen zeigen die acht Darsteller. Agnes Mann als aufopferungsbereite Grace ist groß in ihrer Menschlichkeit, Johann David Talinski als ihr edelmütiger Retter Tom offenbar auf der Suche nach echten Gefühlen, für die er noch nicht reif zu sein scheint. Susanne Höhne [...] wird von der Freundin zur Feindin. Starke Momente hat auch Andreas Hutzel als Blinder mit Begierden und später als Gangsterboss. Jan Byl, der Apfelfarmer, wandelt sich vom schroffen Gegner zum Liebhaber, der Respekt erheischt. Matthias Hermann (Ben), ebenfalls ein verständnisvoller Freund, kann seine Begierden nicht im Zaum halten. [...] Henning Sembritzki kann die Rolle der frommen Betschwester hervorragend umsetzen. [...] Zwei Stunden und zehn Minuten vergehen schnell und ermüden die Zuschauer nicht, die am Premierenabend lange und herzlich applaudierten.«

(HL-live)

 

 

 

»Das Stück bietet eine vielschichtige und durchaus aktuelle Themenbreite rund um die Abgründe des menschlichen Seins. Clara Weydes ›Dogville‹ ist dabei kein Abklatsch der formstreng erzählten Geschichte aus Lars von Triers Erfolgsfilm. Sie hat einen ganz eigenen, sehr feinfühligen Weg der Inszenierung gefunden. Brisante Szenen werden zwar mit durchaus spürbarer Härte, aber nicht unnötig voyeuristisch dargestellt. So blieben brutale Momente intensiv, aber durchhaltbar. ›Dogville‹ bietet durchgehende, packende und spannungsgeladene zwei Stunden, die die Zuschauenden so in den Bann ziehen, dass die Konzentration auf die Handlung nicht eine Minute schwerfällt. Der langanhaltende, begeisterte Applaus für Darsteller und Regieteam war mehr als berechtigt.«

(Offener Kanal Lübeck)

 

 

 

»Der Mensch ist böse. Auch oder gerade im weltabgeschiedenen ›Dogville‹ - oder hier ganz besonders? Schon in Lars von Triers gleichnamigen [...] Film [...] ist das eine der Fragen, an denen der Zuschauer zu nagen hat. Beantwortet wird sie auch in der Bühnenfassung nicht, die Clara Weyde in Lübeck inszeniert. Ein Glück. Einfache Antworten auf schwer fassbare Phänomene sind in aller Regel Teil gesellschaftlicher Untiefen. Ausbeutung, Demütigung, Missbrauch, Erniedrigung, Verrat: Was immer wir nicht unter uns dulden wollen, brodelt unter den Einwohnern von Dogville [...]. Der Zuschauer hat einiges auszuhalten in dieser Inszenierung. [...] Am schwersten zu ertragen ist für den Zuschauer der schon von Lars von Trier erzwungene Blick in einen Spiegel. Und eben die Fragen: Was ist da zu sehen, schmutzig blühende Fantasie, Möglichkeit, Wirklichkeit? Inmitten dieses Gewaltstrudels entlocken die acht durchweg starken Darsteller und das Regieteam dem Zuschauer immer wieder [...] Gekicher - darf man lachen angesichts dieses Terrors? [...] Eine Pause ist dem Zuschauer nicht vergönnt; man kann dieses räumliche Gefangensein im Gewaltstrudel als Verstärker des Dramas deuten.« (shz) 

(shz)

 

 

 

»Der Zuschauer muss einiges aushalten, ganz besonders auch, weil die acht Darsteller durchweg beklemmend überzeugend spielen. Agnes Mann buhlt als Grace zu Beginn fast unerträglich emsig um die Gunst der misstrauischen Gemeinschaft, ringt und zeigt in der Folge, wie Angst, Enttäuschung und Verzweiflung die Würde demontieren. Johann David Talinski zwingt seinen Zuschauern als Tom die Zerrissenheit eines Verräters auf. Susanne Höhne mutiert als Liz von einer devoten Freundin zur gnadenlosen Feindin, Jan Byl vom abweisenden Chuck zum zynischen Sklavenhalter. Robert Brandt suhlt sich als Ma Ginger in obszöner Geschäftstüchtigkeit. Henning Sembritzki präsentiert eine abgründig bigotte Martha, Mattias Hermann den unberechenbar scheuenden Ben. Andreas Hutzel zeigt zunächst die seelischen Abgründe des blinden und lahmen Jack und tritt zum Schluss als der große Mann aus dem Schatten: Graces Vater, ein Gangster, vor dem die Tochter davongelaufen ist, weil sie nicht werden wollte wie er. Am schwersten zu ertragen ist der von Lars von Trier erzwungene Blick in den Spiegel. Was ist da zu sehen, schmutzig blühende Fantasie, Möglichkeit, Wirklichkeit? Inmitten dieses Gewaltstrudels entlocken Darsteller und das Regieteam dem Zuschauer immer wieder peinliches Lachen - darf man das angesichts dieses Terrors? [...] Und der Zuschauer sitzt da mit der Frage, ob es sein kann, dass Dogville das Leben ist, wenn man die Hunde von der Kette lässt.«

(Lübeckische Blätter)

 

 

 

»Was 2003 in den Kinos ›frenetisch gefeiert‹ wurde, erhielt nun in der Bühnenfassung seines Landsmanns Cristian Lollike begeisterten Applaus. [...] Agnes Mann gibt ihr einfühlsam eine Gestalt zwischen Opferlamm und Hetäre. Nur im kurzen Prolog ist sie nicht auf der Bühne, prägt damit, weil alles auf sie bezogen ist, das theatralische Geschehen. Eine wahrlich große schauspielerische Leistung ist das! [...] Johann David Talinski zeichnet den angehenden Schriftsteller als staksigen, jugendlich unbedarften Idealisten, der viel mehr will, als er schafft, der Grace schützen will, vorgibt, sie zu lieben, und sie doch verrät. Dann ist da Liz, eine Frau, die sich zunächst als Freundin aufführt, Grace dann erbarmungslos quält. Brillant verkörpert Susanne Höhne diese Figur mit böser Energie, besonders eindringlich, wenn sie ihr den einzig persönlichen Besitz, ein paar Holzpuppen, zerstört. Den grobschlächtigen Chuck, auf einen Außenseiter reduziert, und den unbedarften, fast naiven Ben spielen Jan Byl und Matthias Hermann. Zwei männliche Wesen sind das, die nur vage in der Gesellschaft verankert sind. Auch Andreas Hutzel ist dabei. Er gestaltet gleich zwei Figuren. Wie immer souverän ist er der blinde Jack McKay im Rollstuhl. Grace gewinnt sein Vertrauen, wird aber schließlich selbst von ihm missbraucht. [...] Clara Weydes Inszenierung formt ein pralles, jedoch zutiefst böses Kleinstadttheater, in dem sich eben jenes bösartige Verhalten einer Fremden gegenüber in grotesker Überhöhung abspielt und die gleichzeitig zum Symbol aller sozialen Bosheiten werden soll.«

(unser-luebeck)