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Tanz und Schauspiel
Die tonight, live forever
oder Das Prinzip Nosferatu

»Es gibt Verführungen und Versuchungen, es gibt ein vampiristisches Gesellschaftssystem, in dem die Menschen ausgebeutet werden oder sich auch gerne selbst ausbeuten. Und es gibt bröckelnde Fassaden und Schattenwelten. Und trotz allem Exzess - Partys, Drogen, Sex - gibt es natürlich keine Erlösung. Marie Bues findet starke, wilde Bilder für einen dichten Text, der recht untheatralisch daherkommt, der monologisch mäandert und nur sehr, sehr lose Fäden zwischen den einzelnen Figuren spinnt. Geschickt führt Bues einige der Geschichten zusammen, setzt spielerisch ein paar wenige, aber wichtige dramaturgische Anker, gibt Einblicke in Tragisches und allzu Menschliches [...]. Zwischen den Schauspielern bewegen sich vier Tänzer, zucken zu den Wortkaskaden oder lassen ihre Körper wie taumelnde Kegel ineinander fallen. Ein Chor der Untoten scheint die Szenen zu dirigieren. [...] Diese Inszenierung ist laut, wild und schnell, ist bilder- und temporeich. Bues und Liszta schaffen Irritationen und Assoziationen, lassen Schauspieler und Tänzer zu Höchstform auflaufen und gleich darauf in gespielter Erschöpfung zusammenbrechen. Meist rauscht der Abend über die Bühne wie ein Film im Fast-Forward-Modus.«

(nachtkritik.de)

 

 

 

»›Die tonight, live forever oder Das Prinzip Nosferatu‹ von Sivan Ben Yishai bot ausgezeichnet inszenierte (Marie Bues) und choreografierte (Nicki Liszta) permanente Aktion auf der Bühne - und das bei einem Stück, in dem es keine durchgehende Handlung gibt, in dem stattdessen Motive aneinandergereiht werden. [...] Rachel Behringer verkörpert eine junge Frau, die um jeden Preis den Erfolg sucht und sich dadurch unter einen unerträglichen Leistungsdruck setzt. [...] Eine zweite junge Frau wird von Sophie Pfennigstorf gegeben [...]. Sie ist zu Tode erschöpft und zudem in die Hände einer Gruppe von Organhändlern geraten, die ihr ein inneres Organ nach dem anderen entnehmen. Dann ist da noch der homosexuelle Makler (Niko Eleftheriadis), den es aus Paris in die Provinzstadt Rennes verschlagen hat, wo es ihm zunächst nicht gelingt, seine Neigungen auszuleben. Bis er schließlich über eine App in der schwulen Untergrundszene der Stadt landet. [...] Was diesen Abend auch sehenswert macht, sind die Choreografien von Nicki Liszta. Ihre vier Tänzerinnen und Tänzer (Chloé Beillevaire, Andreia Rodrigues, Steven CHotard und David Ledger) agieren mit einer Ausdruckskraft, die weit mehr leistet, als den Text von Sivan Ben Yishai zu kommentieren und zu unterstützen.«

(Lübecker Nachrichten)

 

 

 

»Mit unglaublichem Fleiß haben Darsteller und Tänzer unter Leitung von Marie Bues (Regie) und Nicki Liszta (Choreographie) Texte gepaukt und Bewegungen studiert. Text-Tiraden von der Urgewalt einer Elfriede Jelinek hat zum Beispiel Rachel Behringer zu zelebrieren. In einem Tempo, die jeden Poetry-Slam in den Schatten stellt. Sie spielt eine Frau, die hinter Erfolg und Trends herhetzt. Mit der Mutter (Astrid Färber) kommuniziert sie in modernsten Medien. Eine andere Frau (Sophie Pfennigstorf) ist die Ausgebeutete und Erschöpfte in goldenem Helm und Motorrad-Anzug. [...] Der Makler (Niko Eleftheriadis) ergeht sich in endlosen Tiraden über sein homosexuelles Liebesleben. Auch das Kapitel Aids wird aufgeschlagen.«

(HL-live)

 

 

 

»In dem von Marie Bues und Nicki Liszta inszenierten und choreografierten Stück [...] ›Die tonight, live forever oder Das Prinzip Nosferatu‹ geht es experimentell zu. [...] Die Inszenierung ist Spiel, Tanz, Video, Textkaskade. [...] Drei Personen - ein zum Erfolg verdammter Makler, eine Karrieristin, eine zu Tode erschöpfte Frau - sind dabei zu besichtigen, wie sie sich dunklen Mächten ergeben [...]. Genuss ist, was das Bühnenpersonal an Kunst zelebriert. Ausdrucksstark sind die Parts der vier Tänzerinnen und Tänzer; staunenswert die Gedächtnisleistungen der Schauspieler. [...] Herzlicher Applaus.«

(shz)

 

 

 

»Die Texte von Sivan Ben Yishai holt die Geschichte um die Untoten in das Hier und Jetzt, wobei Regisseurin Marie Bues die Vorlage der israelischen Autorin zu einem ungewöhnlichen Tanzschauspiel inszeniert. [...] Eine junge Frau, gefangen im Hamsterrad der Leistungsgesellschaft, getrieben von Selbstoptimierungswahn. Sie redet schnell, ohne Atempause, von dem was sie macht, vor hat, erreichen will, was sie antreibt. Eine herausragende Leistung übrigens von Rachel Behringer. [...] Das Stück ist eine Collage unserer durchkapitalisierten Leistungsgesellschaft. [...] Die langen, monologen Sprechpassagen, die das ganze Können der Darsteller verlangen, sind voller Globalisierungs- und Systemkritik. [...] Unterlegt wurde diese zynisch gezeichnete Lebenswelt mit einem schaurig schönen Klangteppich aus dumpfen Orgel- und Basstönen. Die Worte der Protagonisten werden begleitet vom ergreifenden expressiven Tanz, choreografiert von Nicki Liszta. Die vier Tänzer zaubern ästhetische schöne Bilder auf die Bühne und bringen dabei körperliche Hochleistung. [...] es [war] dennoch eine zwar lange aber auch ungewöhnlich beeindruckende und durchaus interessante Inszenierung, die dem gesamten Team alles abverlangte. [...] ›Die tonight, live forever oder Das Prinzip Nosferatu‹: ein nahezu philosophisches Stück über das Leben in dunklen Zeiten.«

(Offener Kanal Lübeck)

 

 

 

»Es gibt sich höchst geheimnisvoll, auch faszinierend, was seit dem 30. November 2018 im Theater Lübeck als Kammerspiel zu sehen und zu hören ist. [...] Es geht eben um das Prinzip Nosferatu, nicht um ihn selbst, auch nicht um Ellen, im Film die junge Ehefrau des Maklers (brillant Rachel Behringer). In einer der großartigsten Szenen skandiert sie in einem schaurig schönen Tüllkleid ihre Verzweiflung darüber, wie Selbstanforderung und die ihrer Mutter (kühl und überlegen Astrid Färber) sie treiben. In der irrwitzig schnell gesprochenen Klagekaskade wird das Getriebensein selbst zur Metapher. [...] Ellen wird in zwei Körper aufgeteilt, bekommt später, durch Motorradhelm und -anzug unkenntlich (bewundernswert Sophie Pfenningstorf), die Gestalt der durch den Biss infizierten Untoten. [...] Sprach- und bildmächtig ist er [der Text], geheimnisvoll und drastisch, teils auch kabarettistisch pointiert. Spannend ist das in Worten, auch im Agieren. [...] Ihnen [den Tänzern] gelingen bewundernswerte Bilder voller Kraft und Eindringlichkeit zu einer Musik, die [...] Atmosphärisches einfängt.«

(unser-luebeck)

 

 

 

»Vielfältige gesellschaftspolitische Themen wie Kapitalismus, Entfremdung, Macht der sozialen Netzwerke, Optimierungswahn, Orientierungslosigkeit prasseln in Monologkaskaden auf das Publikum herab. [...] Drei Hauptfiguren mit unterschiedlichen inneren Kämpfen [...] werden von Tänzern und Tänzerinnen umrahmt, die den Text ausdrucksstark und fesselnd in modernen Tanz verwandeln. Insbesondere Rachel Behringer ist als Darstellerin ein Lichtblick in ihrer beeindruckenden Art ihre Monologe vorzutragen. [...] Das Premierenpublikum wohnte einem expressiven, anspruchsvollen Theatererlebnis bei.«

(ultimo)

 

 

 

»›Sie wird weiter darum beten, dass eine Krankheit kommt und sie übernimmt, um sie an den einzigen Ort zu verbannen, an dem niemand mehr erwartet, dass sie funktioniert: Krankenhaus.‹ Insbesondere solche Textstellen sind von einer politischen Schärfe, die an bessere René-Pollesch-Texte erinnert. [...] Nach und nach entsteht so das Panoptikum des Kapitalismus als vampiristisches, blutsaugerisches System. Was [...] in seiner heterogenen narrativen Struktur [...] reizvoll umgesetzt ist. Auch weil der Abend von Marie Bues (Inszenierung) und Nicki Liszta (Choreografie) mit ziemlich viel szenischer Fantasie angereichert wird: Hübsch suggestive Videos (Christopher Bühler und Katharina Spuida-Jabbouti) flimmern ununterbrochen über Screens, ein Ambient-Score (Heiko Giering) legt sich über die Szenen, kreativ wechseln sich Schauspiel und Tanz ab. Schön.«

(Theater heute)