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»Sandra Leupold geht am Theater Lübeck nun den umgekehrten Weg: Sie koppelt Massenet konsequent zurück an Goethe [...]. Und bringt uns gerade in dieser Entrückung einen Befund nahe, den man im Jargon der Leidenschaft leicht überhört: die ungeheuerliche Einsamkeit der Figuren. Mit ihrer auf das Nötigste reduzierten, hochverdichteten Inszenierung [...] setzt Leupold wieder die Erzählperspektive des Originals in Kraft: Das Geschehen bleibt ausnahmslos an die Wahrnehmung, die Fantasie Werthers gebunden. [...] Er ist stets gegenwärtig, als Autor und Protagonist, als Akteur und Beobachter. [...] Jochen Hochfeld hat das Werther-Personal zeichenhaft eingekleidet, in stilisierter Anspielung auf frühromantische Modelle [...]. Die Schauplätze [...] sind nur aus Licht gebaut (Falk Hampel). Ein leuchtendes Rechteck oder ein Spot am Boden reichen völlig aus, um den Blick in diesem mitunter nebeltrüb fluoreszierenden, quasi eingeschweißten Labor zu orientieren. Was hier [...] bis zum letzten Detail gelingt, ist eine inszenatorische Arte Povera, die das Ohr weit öffnet für die Finessen eines drame lyrique [...]. Manfred Hermann Lehner, erster Kapellmeister in dem Jugendstil-Haus an der Beckergrube, stellt mit dem Philharmonischen Orchester schon während des Prélude in luftiger Transparenz klar, dass die ›Werther‹-Partitur nicht ein Potpourri schöner Düfte im Dienste des kommerziellen Erfolgs, sondern filigrane Ausdruckskunst ist. [...] Wioletta Hebrowska [CharlotteY [...] ist - vokal - überhaupt der [...] Stern, der hier alle überstrahlt. [...] Eine aufregende, brillant gearbeitete Produktion [...].«

(Opernwelt)

 

 

 

»Die Regisseurin Sandra Leupold hat sich für eine karge Bühnenausstattung (Hanna Zimmermann) mit ebensolcher Lichtsetzung (Falk Hampel) entschieden. Milchig-weiße Plastikstreifen aneinander gereiht, die rundum wie ein geschlossener Vorhang wirken, den Darstellern aber ermöglich, von dort aus die leere Spielfläche zu betreten und sie wieder zu verlassen oder dahinter schemenhaft präsent zu sein, zwingen den Zuschauer, sich auf das innere Gefühlsleben der Titelfigur zu konzentrieren. Nichts lenkt ab. Yoonki Baek interpretiert seine Titelrolle mit leidenschaftlicher Überzeugungskraft und durchsetzungsfähiger Tenorstimme, die nahezu makellos bis zum Ende der Aufführung trägt [...]. Wioletta Hebrowska gestaltet die Rolle der jungen Frau [Charlotte], die sich auf einem Sommerball in Werther verliebt, [...] mit selbstbewusst geführtem, souveränem Mezzosopran. [...] Emma McNairy als Charlottes Schwester Sophie erfreut mit glockenhellem Sopran und unbeschwerter Spielfreude [...]. Dass sie alle in Kostümen (Jochen Hochfeld) der Werther-Zeit entsprechend agieren, tut der Inszenierung gut. Das gilt auch für das kantige Dirigat von Manfred Hermann Lehner mit dem gut aufgestellten Philharmonischen Orchester der Hansestadt Lübeck [...].«

(Das Opernglas) 

 

 

 

»Sandra Leupold, die in Lübeck zuletzt ›Die tödliche Blume‹ inszenierte, hat eine radikal reduzierte und abstrahierte Version des Werkes auf die Bühne gebracht. [...] Hier entwickelt sich das tödlich endende Spiel um die beiden Liebenden in überaus eindringlicher Weise. Denn nichts lenkt ab vom musikalischen und psychologischen Geschehen. [...] Wie die Regisseurin ihr Personal auf der Bühne führt, ist große Kunst. Stilisierte, langsame Bewegungen gehören zu ihrem Standard-Repertoire, sie sorgen für einen gewissen Entfremdungs-Faktor, der Distanz schafft zwischen Publikum und Bühne. [...] Das ist vorzüglich dargestellt in dieser Inszenierung, schlüssig und auch in dieser radikal reduzierten Ästhetik überzeugend. [...] Herausragend im Ensemble war wieder einmal Wioletta Hebrowska als Charlotte. Sie sang souverän [...]. Ihr Gesang war [...] makellos. Yoonki Baek in der Titelrolle des Werther erwies sich als Tenor mit fundierter stimmlicher Tiefe [...]. Darstellerisch wusste er zu überzeugen. [...] Ein Glanzlicht setzte der von Karl Hänsel einstudierte Kinderchor aus Mitgliedern der Knabenkantorei an St. Marien und dem Mädchenchor der Gemeinnützigen.
Das Publikum spendete am Ende lang anhaltenden Beifall für diese Inszenierung, die keinerlei Attraktionen bot, sondern sich auf ein Psychogramm beschränkte. Trotzdem große Oper.«

(Lübecker Nachrichten)

 

 

 

»Manfred Hermann Lehner, Kapellmeister aus Rostock, entlockt den Lübecker Philharmonikern an vielen Stellen wahre Klangfluten, begleitet an anderen Stellen sehr sängerfreundlich, denn die Hauptfiguren haben zweieinhalb Stunden lang Schwerstarbeit zu leisten. [...] Regisseurin Sandra Leupold und ihre Bühnenbildnerin Hanna Zimmermann entschieden sich gegen eine realistische Bühne. Die Szene ist leer, von hellen Plastikbahnen umgeben. Hintergrund und Seiten verlieren sich im Nebel der Zeiten. Einzelne Räume werden durch Licht-Rechtecke herausgehoben. Dort stehen die Figuren, festgemauert in der Erden, unfähig, aus den Konventionen ihrer Zeit auszubrechen. [...] Sängerisch sind große Aufgaben zu bewältigen. Die Titelpartie singt der koreanische Tenor Yoonki Baek mit höhensicherer Stimme. [...] Wioletta Hebrowska glänzt in der Partie der Lotte. Ihre Mezzo strahlt auch über Forte-Passagen des Orchesters. Emma McNairy als ihre Schwester Sophie kommt mit locker geführtem Sopran ebenfalls bestens zurecht. Gerard Quinn ist ein Amtmann ohne Fehl und Tadel. [...] Ein gut gezeichnetes treudeutsches Zecherpaar lieferten Hojong Song und Yong-Ho Choi. Auch das Orchester, das zum Schluss von hinten auf die große Bühne trat und Dirigent Manfred Hermann Lehner wurden gefeiert.«

(HL-live)

 

 

 

»Die Schlussszene ist großartig: Werther und Charlotte, nur wenige Meter voneinander entfernt, wollen verzweifelt ihrem engen Lichtkäfig entkommen. Sie wollen zueinander, links Werther, tödlich verletzt, innerlich wie äußerlich, rechts die in Pflicht und Leidenschaft gefangene Charlotte. Nah sind sie sich, doch zugleich weit entfernt. Und noch eine dritte Distanz ist da, die zu ihnen gehörende Umwelt, von außen zu hören mit weihnachtlichem Gesang. Erst Werthers Pistolenschuss beendet jäh das Seelendrama, Jules Massenets ›Werther‹. [...] Sandra Leupolds [...] Blick auf Jules Massenet ›Werther‹ war außerordentlich schlüssig. [...] Manfred Hermann Lehner verstand es, dies mit den Musikern der Lübecker Philharmoniker lebhaft zu gestalten, besonders bei rein instrumentalen Sätzen. [...] Yoonki Baek besitzt einen lyrischen Tenor, dessen Timbre sehr gut für den Werther passt, den er auch im Spiel ansprechend verkörperte. Mit Wioletta Hebrowska hat das Theater für Auge und Ohr eine geradezu ideale Charlotte. Ob als Mutterersatz für ihre Geschwister oder als Gegenpart zu Sophie, ob als pflichtgetreue Ehefrau oder im Schlussduett mit Werther als erträumte Geliebte überzeugt sie mühelos durch ihr nuanciertes Spiel wie durch ihre klangvolle Stimme, mit der sie in Dynamik und Farbe die Entwicklung schattiert. Bemerkenswert auch die Nebenpartien, die erst die Qualität eines Hauses unterstreichen. [...] Insgesamt war das ein Opernabend von beeindruckender Qualität.«

(nmz-online)

 

 

 

»Dem Philharmonischen Orchester der Hansestadt Lübeck unter der Leitung von Manfred Hermann Lehner gelang vom ersten düsteren dramatischen Akkord an, angenehmen Pathos und Dramatik zu erzeugen. [...] Die Amerikanerin Emma McNairy singt die Sophie mit glockenklarem Sopran [...]. Ähnliches gilt Wioletta Hebrowska als Charlotte, die Polin fasziniert mit einem warmen, leicht rauchige Mezzo, der ideal zu der eigentlich mit beiden Beinen im Leben stehenden, doch durch Werther in sich zerrissenen, jungen Frau passt. [...] Yoonki Baek als Titelheld jedoch gebührt die meiste Anerkennung und eine virtuelle ›Standing Ovation‹ für seine überragende Leistung. [...] Er machte seine Sache hervorragend. Das Publikum feierte alle, wirklich alle Beteiligten. Alles in allem bewies der Premierenabend, dass es nicht auf die Größe eines Hauses ankommt, um musikalisch Gutes zu bieten.«

(Das Opernmagazin)

 

 

 

»Wieder ein Sturm an Aussagekraft, diesmal in einem Hauch von Ausstattung. [...] Solche Bilder sind nur mit starkem Personal zu malen. Das hat schon stimmlich dicke Bretter zu bohren, dem Lübecker Regieteam gelingt es indessen, aus hervorragender Darstellung und musikalischem Glanz ein bemerkenswertes Gesamtpaket zu formen. Der koreanische Tenor Yoonki Baek packt den latenten Wahnsinn mit Kraft und Sicherheit auch in die hohen Lagen, Wioletta Hebrowska gibt der Charlotte mir bestrickendem Mezzo das ganze Elend einer in den Erwartungen der Zeit gefangenen Frau. Johan Hyunbong Chou arbeitet als Charlottes berechenbarer Ehemann Albert heraus, wie es sein kann, dass seine Frau vom gefühlsschwangeren Werther verführbar ist. Hübsch anzusehen und schön zu hören ist Emma McNairy als kleine, staksige Schwester Sophie. Und Gerard Quinn, als Amtmann zu erleben, ist sowieso eine Bank. [...] Am Pult arbeitet Manfred Hermann Lehner [...] die Stimmungen fein heraus, die es dafür braucht.«

(shz)

 

 

 

»Der Dirigent des Abends, Manfed Hermann Lehner und das Philharmonische Orchester der Hansestadt Lübeck sorgten für einen mitreißenden Orchesterklang, feinsinnig und getragen; hier blieben keine Wünsche offen. Wioletta Hebrowska war als Charlotte mit ihrem dunklen, sinnlichen aber auch zur dramatischen Exstase fähigen Mezzosopran schlichtweg grandios [...]. Gleiches gilt auch für die Sophie von Emma McNairy mit ihrem silbrig schimmernden, charmanten Sopran: grandios. Gerard Quinn bestach mit seinem charakteristischen Bariton als Amtsmann. Johan Hyung Choi gestaltete einen überzeugenden Albert.«

(Ihr Opernratgeber)

 

 

 

»Im Großen Haus inszenierte Sandra Leupold, Meisterin der leeren Bühne. Sie wurde den Erwartungen gerecht. [...] Auf der Bühne bilden die Pastelltöne der historisierenden Kostüme (Jochen Hochfeld) eine zarte Differenz, einzig Werther fällt durch hemdlose Muskeloberarme, Weste und gelbe Hosen besonders auf. [...] Ausgezeichnet spielt das Philharmonische Orchester. Ausdrucksintensität, malerische Episoden, wie etwa die zauberische Mondnacht, und kammermusikalische Intermezzi mit feinen Soli fesseln unter der Leitung von Manfred Hermann Lehner, der Temperament sowie große Umsicht beweist. Mitglieder der Lübecker Knabenkantorei und des Mädchenchors ›Canta!‹ der Gemeinnützigen bewährten sich schön in den Geschwisterrollen der Charlotte; Karl Hänsel hatte kompetent die Einstudierungen besorgt. In der Titelrolle beeindruckt Yoonki Baeks lyrischer Tenor, der in der Höhe fein funkelt. Engagiert fügt er sich ins Regiekonzept. Wioletta Hebrowska gibt mit warmem, fülligem Mezzosopran der Rolle der Charlotte die rechte Balance zwischen verführerischer Ausstrahlung und Mütterlichkeit - eine Glanzleistung. Die Figur des Albert verkörpert überzeugend Johan Hyunbong Choi. Mädchenhafte Frische bringt Emma McNairys heller Sopran (Sophie) [...]. Die musikalisch überragende Neuproduktion wurde mit viel Beifall aufgenommen.«

(Lübeckische Blätter)