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La Traviata

»Lorenzo Fioronis Inszenierung von Giuseppe Verdis ›La Traviata‹ wurde am Ende stürmisch bejubelt - vor allem wegen der großartigen Leistung des Ensembles, des Dirigenten und des Orchesters. [...] Lorenzo Fioronis Inszenierung besticht durch ihre Stringenz und ihre eindringlichen Bilder. Sie ist zudem sehr dicht an Verdis Musik und in ihrer Dramaturgie ebenso dicht am Libretto [...]. Der Regisseur erzählt konsequent die Geschichte der schönen Kurtisane Violetta [...]. Fioroni gelingt es, die Doppelbödigkeit dieses Stoffes ebenso aufzuzeigen wie die Erbärmlichkeit der Zeit, in der die Oper spielt. [...] Zwei Seiten einer Medaille sind in dieser Inszenierung zu erleben [...]. Eine fein gearbeitete Inszenierung, in den Massenszenen ebenso stark wie in den kammerspielartigen Sequenzen. Musikalisch ist diese Produktion auch über alle Zweifel erhaben. Manfred Hermann Lehner dirigierte die Lübecker Philharmoniker mit Eleganz, er begleitete die Sänger ausgezeichnet und schaffte immer wieder klangliche Finessen, die man so lange nicht gehört hat. Das Orchester wirkte wie befreit und spielte mit Lockerheit und Souveränität - auch das eine herausragende Leistung. Der von Jan-Michael Krüger einstudierte Chor sang und spielte so freudig, wie man es von ihm kennt. Überragend im Ensemble war die junge Sopranistin María Fernanda Castillo in der Rolle der Violetta. [...] Nachdem sie sich freigesungen hatte, zeigte sie all ihre stimmlichen Qualitäten, von zu Herzen gehenden Piano-Passagen bis zu wildesten dramatischen Ausbrüchen. Schauspielerisch gab die Mexikanerin alles, sie agierte körperlich bis an die Grenzen des Machbaren. Wenn María Fernanda Castillo diesen Weg konsequent weitergeht, dann war diese ›La Traviata‹ ihr erster Schritt zum Ruhm. [...] Jaesig Lee [...] war auch darstellerisch ein überzeugender Liebhaber, der sich nur für sich selbst interessiert. Gerard Quinn als Alfredos Vater sang und spielte so großartig wie immer, Taras Konoshchenko war ein übertriebener und widerwärtiger Doktor Grenvil. Am Ende gab es großen Jubel und Ovationen im Stehen für den Dirigenten und das Ensemble, vor allem natürlich für die überglückliche María Fernanda Castillo.«

(Lübecker Nachrichten)

 

 

 

»So viel energischen Jubel gab es in Lübeck für eine Titelpartie lange nicht: María Fernanda Castillo, die gerade als Violetta in Verdis ›La Traviata‹ einen elenden Tod gestorben ist, steht in den abgewetzten Klamotten einer runtergekommenen Kurtisane an der Rampe und wird für die magischen Momente gefeiert, die sie heraufbeschworen hat. [...] bei dieser Premiere überstrahlt sie alles. [...] Jaesig Lee als Alfredo, Gerard Quinn als sein Vater Giorgio, Angela Shin als Violettas Vertraute Annina, Taras Konoshchenko als Doktor Grenvil, der Chor und die Philharmoniker unter Leitung von Manfred Hermann Lehner sind allesamt in wunderbarer Verfassung. Und auch die Bühne (Piero Vinciguerra) zeigt sich per Drehmechanismus zunächst von ihren vielfältigen - und guten! - Seiten: vorne exzessive Orgien, hinten Elend. [...] Fioroni gelingen viele eindrucksvolle Bilder.«

(shz)

 

 

 

»Die Szenen der [...] beliebten Oper [...] zeichnen [...] tatsächlich stimmig die bewegenden Psychophasen des Sterbens nach: Das bleiben keine leeren Behauptungen des Programmheftes ... Alles weit weg von Giuseppe Verdi? Keineswegs, sondern erschreckend nah dran! Lorenzo Fioronis bitterböse Inszenierung fühlt am Theater Lübeck der ausdrucksstarken Musik unmittelbar auf den Puls, lässt die Figuren taktgenau zu Orchesterschlägen straucheln, macht die Panik der durch Prostitution vielseits abhängigen Titelfigur spürbar: [...] Außerdem singt Maria Fernanda Castillo fesselnd ausdrucksstark. Ihr expansiv dramatischer Sopran, dem es dennoch nirgends an fiebernd beweglicher Virtuosität mangelt, hat enorme Kraft im Forte und wuchert mit resonanzreicher Präsenz im Piano. Vokal und szenisch schält sie sich allmählich aus Maske [...] und wird im geisterhaft leeren Pariser Salon Opfer pur, der allenfalls noch die letztlich hilflose Annina (sehr einfühlsam: Angela Shin) besteht. Der geliebte Alfredo (frischer Belcanto-Tenor: Jaesig Lee) und sein selbstsüchtig besorgter Vater Germont (mit Stil und Statur: Gerard Quinn) bleiben sichtbar in ihrem schwierigem Verhältnis stecken. Regisseur Fioroni sorgt überall [...] für entlarvende Deutlichkeit. [...] Das Premierenpublikum ist zu Recht tief beeindruckt von Verdis Drama und feiert das hervorragende Ensemble. Wieder eine überregional bedeutende Produktion [...].«

(Kieler Nachrichten)