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Boris Godunow

»Politik als Kasperletheater, Kaufrausch statt Kritik, Wahn statt Erkenntnis - ein expressiv geschnitztes Statement, das die Finger grob in die Wunden der Gegenwart bohrt und deshalb - Brot und Spiele! - große Oper ist. [...] Irgendwer muss da oben schließlich die Verantwortung übernehmen. Dieses ›Da oben‹ nehmen Regisseur [Peter Konwitschny] und Ausstatter (Timo Dentler und Okarina Peter) wörtlich: Während das Volk wodkatrunken am Boden liegt [...], geht über ihm der Vorhang auf und Kasper-, [...] Krokodil- und Zar-Figuren streuen [...] Staats-Soma unter die Menge. [...] Schwierig wird es nur, wenn die Dröhnung nachlässt. [...] Das Staatsgefüge könnte laufen wie geschmiert, wäre da nicht das freche Kasperle, das seine Meinung über den Zaren [...] kundtut - und mit dem Leben bezahlt. Erinnert uns das an das wirklich wahre Leben? Klar. Vor allem das Ende, an dem Zar Boris Jackett gegen Hawaiihemd [...] tauscht und statt zu sterben in den Orchestergraben entschwindet, stößt bitterkomisch auf. Mediale Wogen ähnlicher Art kennt man aus dem Alltag. Allein die Oper ist dort seltener vertreten. Und die wird großartig präsentiert. [...] Ernesto Morillo beeindruckt mit starkem Bass [...]; auch das übrige Ensemble ist stark.«

(shz)

 

 

 

»Aber man weiß, dass es spannend wird, vielleicht sogar erhellend. [...] Pralles Theater ist zu erleben, wenn die Wirtin sich mit dem entlaufenen Mönch amüsiert, der den Zarenthron erobern will. Große Oper dann im Kreml. [...] Riesig bläht sich der grellbunte Einkaufswagen auf: Konsum, Konsum über alles! Wir sind die Spaßgesellschaft! Nur der Narr in Christo (anrührend Hojong Song) singt seine Klage [...]. Zar Boris wurde in der Premiere von Ernesto Morillo gesungen: kräftig sein Bass, ausdrucksvoll das Spiel. Denis Velev mit abgrundtiefem Bass ist ein herausragender Pimen. Alexander James Edwards als Fürst Schuiski: aalglatt im Agieren, beweglich in der Stimmführung. [...] Tobias Hächler als Grigori (Mönch und falscher Zarewitsch) überzeugt mit heldentenoralem Glanz. Lebendig im Spiel und mit schönen Stimmen gefallen Evmorfia Metaxaki (Zarentochter), Wioletta Hebrowska (Zarewitsch Feodor), Julia Grote (Wirtin und Amme), Minhong An (Warlaam). Die Chöre waren gut vorbereitet. [...] Ryusuke Numajiri und das Philharmonische Orchester lieferten einen austarierten ›Boris‹: glutvoll in vielen Szenen, ruppig auch, wenn die Wogen hoch gingen, verhalten an anderen Stellen. Die russischen Volksweisen kamen zu ihrem Recht, die Kirchenglocken in den vordersten Logen verdichteten die Atmosphäre.«

(Lübecker Nachrichten)

 

 

 

»Das Philharmonische Orchester [der Hansestadt Lübeck] unter der Leitung von Ryusuke Numajiri fühlte sich in die besondere Tonsprache Mussorgskys ein [...]. Am dichtesten ist der Abend [...], wenn sich Zar Boris in seinem goldenen Palast (berührend: Ernesto Morillo als skrupulöser Herrscher) selbst befragt. [...] Der Bass Denis Velev schleudert Pimens Anklagen in sonorem Bass wie eine orthodoxe Liturgie selbstbewusst in den Saal. Der Intrigant Schuiski (herrlich verschlagen: Alexander James Edwards) streut Gerüchte im politischen Establishment. [...] ›Fake News‹ und alternative Fakten - all das gab es schon damals. Konwitschny widersteht der Versuchung, aus dem Stoff eine Putin- oder Trump-Oper zu machen. Stattdessen bringt er eine schrille Gesellschaftskritik auf die Bühne, eine Anklage an das Volk, das alles glaube, ohne es zu überprüfen.«

(NDR Kultur)

 

 

 

»In den weiteren Bildern bietet Konwitschny dann große Oper. [...] Bunt geht es zu, wenn aus dem elenden, hungernden Volk Russlands aus der Zeit um 1600 gegen Ende unsere moderne Gesellschaft wird. [...] Die Menschen auf Schnäppchenjagd. Viele Bilder, viele Assoziationen, viel Gesprächsstoff nach der 135 Minuten langen, ohne Pause durchgespielten Aufführung. Chöre und Orchester leisten Großes. An seine frühere Wirkungsstätte zurückgekehrt ist Dirigent Ryusuke Numajiri. [...] Gute Stimmen sind zu erleben. In der Reihenfolge im Programmheft sind das Ernesto Morillo in der Titelpartie, ein kraftvoller Bass mit vielen Spielanteilen [...]. Denis Velev setzt einen abgrundtiefen Bass als Mönch Pimen ein. Tobias Hächler mit strahlkräftigem Tenor gestaltet die Partie des Mönches, der Zar werden will. Anrührend der Gottesnarr von Hojong Song und viele andere mehr. Das Publikum [...] klatschte am Schluss anhaltend.«

(HL-live)

 

 

 

»›Die Politik muss menschlicher werden‹, dieses Statement des Regisseurs der Oper, Peter Konwitschny, ist ein echtes Anliegen von ihm und zieht sich durch die gesamte Aufführung. [...] Nun hat nicht jeder Regisseur das Vermögen, die Verbindung zwischen alten Klassikern und dem heutigen Jahrhundert glaubhaft rüber zu bringen. Peter Konwitschny gelingt diese Gratwanderung. Man vernimmt keine Buhrufe, sondern Beifall. Er durfte beweisen, dass seine Auszeichnungen: FAUST-Preisträger 2016 und 2018 Regisseur des Jahres laut Kritikerumfragen der „Opernwelt" absolut verdient sind. Auch in Lübeck gelingt es ihm, das Publikum, das letztlich das entscheidende Urteil fällt, mitzunehmen. [...] Evmorfia Metaxaki spielt die Xenia. [...] Ihren Bruder Feodor bringt Wioletta Hebrowska auf die Bretter. Eine Künstlerin, die zeigt, über welche schauspielerischen Qualitäten sie verfügt. [...] Mit der Besetzung des Godunow steht und fällt diese Oper. Ernesto Morillo füllt sie in jeder Hinsicht wunderbar und glaubwürdig aus. [...] Stimmlich auf der Höhe Denis Velev als Mönch Pimen. [...] Gut in Mimik und Stimme Tobias Hächler. [...] Ryusuke Numajiri am Pult, nimmt die Zuhörer mit auf die Reise. Der Chor unter Jan-Michael Krüger und der Kinderchor unter Gudrun Schröder hatten ein großes Pensum, das bei dem Schwierigkeitsgrad gut bewältigt wird. Numajiri lässt in den Logen Kirchenglocken zum Einsatz kommen. Am Ende des Stückes steht eine im Foyer. Auch ohne sie wird die Oper noch nachklingen und man versteht, dass der Regisseur empfiehlt, dass das Publikum sich nicht nur unterhalten und informieren soll - er möchte es auch aktivieren.«

(unser-luebeck)

 

 

 

»Das Philharmonische Orchester der Hansestadt Lübeck unter der Leitung des 1. Gastdirigenten, Ryusuke Numajiri sorgte für einen mitreißenden Orchesterklang. [...] Die Besetzung der einzelnen Rollen hätte harmonischer und besser kaum ausfallen können. Der vielbeschäftigte, venezuelanische Bassist Ernesto Morillo war ein mit seiner ausladenden und von dramatischer Intensität glühenden Stimme ein idealer Boris Godunov, den der Sänger sehr ausdrucksstark verkörperte. [...] Evmorfia Metaxaki glänzte an diesem Abend mit einem kurzen, aber intensiven Auftritt als Xenia. Wioletta Hebrovska als Sohn des Zaren war stimmlich wiedereinmal hervorragend [...]. Julia Grote gab die Amme und die Schenkwirtin ebenfalls gesanglich gut herausgearbeitet. Der Tenor Alexander James Edwards sang und gestaltete einen großartigen Fürsten Schuiski. Steffen Kubach überzeugte als Andrej Schtschelkalow. Denis Velev war, dank seiner überragenden Bühnenpräsenz und seinen reichen stimmlichen Mitteln [...], als Pimen und Mönch einer der Höhepunkte des Abends. Tobias Hächler [...] gab an diesem Abend einen großartigen Grigori. Hojong Song gab in dieser überaus schwierig zu singenden und auch zu gestaltenden Rolle einen berührenden Gottesnarren. Boris Godunov [...] ist für ein mittelgroßes Theater sehr schwer zu stemmendes Werk, das in dieser Lübecker Umsetzung auf der musikalischen Ebene mit jedem größeren Theater [...] bequem mithalten kann. [...] die gesangliche Leistung dürfte kaum besser ausfallen, dafür waren alle Protagonisten einfach zu überragend. [...] Musikalisch ein grandioser Abend, der keine Wünsche offen ließ. [...] Das Publikum bedankte sich begeistert für die Premiere.«

(Ihr Opernratgeber)

 

 

 

»Aber das liegt daran, dass Konwitschny - gut begründet - seine Bühnenschau aus der ersten, der ursprünglichen Fassung der Oper von 1869 entwickelt hat. Deren Musik ist ungewöhnlich, und das nicht nur aus historischer Sicht. Sie nimmt gefangen, passt erstaunlich gut zur holzschnittartigen Handlung. Und wenn sie dann noch adäquat gestaltet wird wie in Lübeck, kann sie all ihre Eigenart entwickeln. [...] Lebendig und sorgfältig gestaltet waren dazu die Massenszenen. Es war ein abgerissenes, willenloses Volk, dem Konsum ergeben und im Wodkarausch. Mit zunehmendem Wohlstand wandelt der sich zum Kaufrausch. Die Kritik an den Machtstrukturen weitete sich so zur Gesellschaftskritik. [...]. Mit dem Schluss, Boris verschwindet in Ferienkluft im Orchestergraben, hat sich die Regie etwas Besonderes einfallen lassen. [...] Schwer zwar für die Größe eines Ensembles wie das in Lübeck war die große Anzahl der Rollen zu besetzen, gesanglich und spielerisch dennoch mit wenigen Gästen bemerkenswert gut. [...] Überzeugend war, wie er [Manfred Hermann Lehner] Bühne und das klangvolle Orchester zusammenhielt, sogar überraschend dezent begleitete, nie überdeckte. [...] Die Inszenierung hatte überzeugt. Langer Beifall bewies das.«

(nmz-online)

 

 

 

»Beeindruckend, wie hier die Darsteller von Machthaber und Gefolge singen und dabei gleichzeitig Puppenspieler ihrer eigenen Figuren sind. [...] Kreative Überraschungsmomente gibt es einige in dieser Inszenierung. [...] Souverän meisterten die Solisten und Solistinnen ihre Rollen, dabei besonders zu erwähnen ist die kräftige Bassstimme von Denis Velev in der Rolle des Mönch Pimen sowie das Spiel und der Gesang des Tenors Tobias Hächler und natürlich die tiefe, warme Stimme von Ernesto Morillo als Boris Godunow. Bei den von Jan-Michael Krüger und Gudrun Schröder bestens einstudierten Chören des Theater Lübeck und dem Kinderchor der Musik und Kunst Schule war nicht nur das Gesangstalent gefordert, sondern die Sänger und Sängerinnen mussten auch als Darsteller des Volkes agieren. Eine gelungene Choreografie. Ein ausgezeichnetes Orchester unter der Leitung des Japaners Numajiri spielt die sehr schöne Musik, die einen eindeutigen Mollcharakter aufwies [...]. Das ideenreiche Bühnenbild in Comicstilistik und goldenen Farben dominierte die Szenen und wurden ergänzt durch die teils sehr schrillen und phantasievollen Kostüme und Requisiten. [...] Regisseur Peter Konwitschny hat eine moderne, frische Inszenierung mit dramaturgischer Schlagkraft auf die Bühne gebracht. Spielerisch und gesanglich absolut gelungen. Verdient ernteten alle Beteiligten langanhaltenden, wohlwollenden Applaus.«

(Offener Kanal Lübeck)

 

 

 

»Der Regisseur entwickelt in teilweise drastischen Zuspitzungen eine Parabel über die Macht, über Scheinheiligkeit und Korrumpierbarkeit. [...] Boris flüchtet als Aussteiger im Hawaiihemd in den Orchestergraben, ins Reich der Musik. Ein beeindruckend gespielter Schluss nach pausenlosen zweieinviertel Stunden. Konwitschnys Pessimismus vermittelt sich durch Ironie und Sarkasmus. [...] Mit der meisterhaften Personenregie Konwitschnys zeigt sich eine spielerische Lesart, deren Konsequenz überzeugt. Dabei treten Puschkins und Mussorgskys Geschichtssicht zurück zugunsten einer herben Analyse von Individuum und Gesellschaft [...]. Die Philharmoniker spielen klangschön und gewieft [...]. Rundum schön die Vokalsolisten. Ausgezeichnet entfaltet sich der sonore Bass von Ernesto Morillo, der das Psychogramm des Boris eindringlich zeichnet, ebenso überzeugend Denis Velev als Mönch Pimen. Alexander James Edwards Tenor strahlt als vielschichtiger Schuiski, die Rolle des Karrieristen Grigori verkörpert Tobias Hächler eindringlich. Komplexe Charakterstudien und fesselnde sängerische Gestaltung bringen Evmorfia Metaxaki (Tochter Xenia), Wioletta Hebrowska in der Hosenrolle als Sohn Feodor und Hojong Song als Gottesnarr sowie Julia Grote (Amme, Wirtin), Steffen Kubach (Duma Schreiber) [...]. Ausgezeichnet wirken szenisch und vokal auch die Chorszenen (Jan-Michael Krüger, Gudrun Schröder).«

(Lübeckische Blätter)