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»Lucia Bihler inszeniert Grillparzers ›Das goldene Vlies‹ auf beeindruckende Weise. [...] Die Bilderwelten ihrer Inszenierung ziehen in ihren Bann. [...] Medea wird gespielt von Sophie Pfennigstorf, die neu im Lübecker Ensemble ist. Sie agiert mit Engagement und präzisen Gesten, ihre Medea ist in Liebe und Zorn überzeugend. Sie versteht es auch, Mitleid zu erregen - eine gute Leistung. Neu an der Beckergrube ist auch Johann David Talinski, der auch mit grünen Haaren als Jason eine gute Figur macht. Er gibt den gebrochenen Helden, der sein Mäntelchen nach dem Winde dreht - eine Bereicherung für das Ensemble. Robert Brandt agiert als Medeas Vater wie ein durch die Gier nach Gold fast in den Wahnsinn getriebener. Exaltierte Körpersprache zeichnet ihn aus - im dritten Teil ist er als Bote ein reiner Technokrat. Patrick Berg ist gleich in drei Rollen zu sehen. Als König Kreon hat er seine stärksten Momente. Susanne Höhne als Amme Gora und Rachel Behringer als Absyrte und Kreusa zeigen intensive Porträts ihrer Figuren. [...] Das Publikum applaudierte [...] herzlich.«

(Lübecker Nachrichten)

 

 

 

»Es ist klug gedacht, dass Lucia Bihlers Inszenierung von Franz Grillparzers Medea-Bearbeitung ›Das goldene Vlies‹ zwar um diesen Gegenwartsbezug weiß - das auch deutlich macht, indem im Programmheft Carolin Emckes Aufsatz ›Gegen den Hass‹ abgedruckt wird - davon abgesehen aber zumindest die Vorgeschichte konsequent ins Artifizielle verschiebt. [...] Ein Satyrspiel, in dem Sophie Pfennigdorfs Medea kultische Handlungen vollführt, mit dem E-Bow über die Zither gleitet und sich ansonsten in abgezirkelten Bewegungen und prononcierter Sprache jeglicher Identifikation verweigert: kein echter Mensch, sondern ein Modell, dessen Aktionen bis ins Letzte kontrolliert bleiben. Bihlers Inszenierung ist so der Welt enthoben, ihr Kolchis ist reines Theater, Kultus, Performance. [...] Die Heldin jedenfalls wird hellenisiert, indem sie in ein neues Kostüm gezwängt wird, sie wird gedemütigt von Nebenbuhlerin Kreusa (spitzmündig: Rachel Behringer), verleugnet von Gatte Jason (stumpf: Johann David Talinski) und schließlich von König Kreon (ebenfalls Patrick Berg) aus Korinth abgeschoben. Rund eineinhalb Stunden lang zelebriert die Inszenierung diesen Tanz zwischen Sozialrealismus und der Sehnsucht nach der grausigen Künstlichkeit des Vorangegangenen, dann fließt Blut, und die Plastikmöbel sind zerschmettert. [...], wie ausnehmend gut ›Medea oder Das goldene Vlies‹ als Verschränkung zwischen Mythos und gesellschaftlicher Realität funktioniert. Da mag sich Bihler mehr als einmal in einen gewissen Ästhetizismus flüchten - einer Regisseurin, die ihre Mittel so gut im Griff hat wie hier, gesteht man auch diesen Ästhetizismus zu.«

(nachtkritik)

 

 

 

»Bihler [...] legt mit ›Medea oder Das goldene Vlies‹ eine Bearbeitung vor, die das Premierenpublikum herzlich würdigte. [...] Da sind allein schon die Darsteller eine Bank, Sophie Pfennigstorf und Johann David Talinski überzeugen als verzweifelnde Medea und wetterwendischer Jason, Rachel Behringer gibt sowohl in Kolchis als auch in Griechenland gehorsame Königstöchter, hier am Rand zum Kadavergehorsam, dort am Rand zur Durchtriebenheit. Susanne Höhne begleitet Medea als mahnende Amme Goria ins Verderben. Patrick Berg zelebriert als König in Korinth die Abwesenheit von Empathie, wenn es um Staatsraison geht. Und dann ist da noch Robert Brandt, der zwei hässliche Eigenschaften brutal komisch auf die Bühne bringt: als König von Kolchis springt ihm die Goldgier aus der Pore, als korinthischer Herold zynische Gleichgültigkeit.«

(shz)

 

 

 

»Das Premierenpublikum am Freitag spendete herzlichen Schlussapplaus. [...] Als Medea stellt sich Sophie Pfennigstorf in Lübeck vor: stolz, frei und dennoch Sklavin ihrer Liebe. Auch Johann David Talinski, der Jason, ist neu im Ensemble. Er darf Leidenschaft zeigen, hohe Gefühle, hängt am Schluss eben doch das Mäntelchen nach dem Wind. Robert Brandt als König von Kolchis macht fast zitternd die Gier nach dem Gold deutlich. Als Herold im Schlussteil ist er der Typ des sturen Erfüllungsgehilfen. Susanne Höhne, Medeas Begleiterin, warnt hellsichtig vor dunklen Zeiten. Rachel Behringer ist zweifache Königstochter, in beiden Fällen dem Vater blind gehorsam. Patrick Berg als König in Korinth erinnert in Habitus und Strenge an ägyptische Pharaonen.«

 

(HL-live)

 

 

 

»Denn Regisseurin Lucia Bihler springt, nach statuarischer Antike, in der zweiten Hälfte ins Gegenwärtige und holt die Protagonisten vom hohen Kothurn auf den Boden der Tatsachen, die uns betreffen. [...] Lucia Bihler intensiviert das noch, macht den Fremdenhass sichtbar, der heutzutage wieder um sich schlägt, und die Hilflosigkeit gegenüber machthabenden Kleingeistern. [...] Die Regisseurin bleibt ganz am Original, arbeitet jedoch mit optischer Überzeichnung (Gestik und Maske) eindeutige Charaktere heraus. So lässt sie Johann David Talinski den Jason als Breitmaulfrosch zur hin- und hergezogenen Nervensäge tendieren, Rachel Behringer die spitzmündige Prinzessin Kreusa zur Karikatur mutieren und Patrick Berg den König Kreon als Despoten funktionieren. Als Arietis ist Robert Brandt ein Furioso, als Herold ein hinterhältiger Domestik. In der Rolle von Medeas Amme Gora bietet Susanne Höhne die Skala von Duldsamkeit bis zu aufrüttelnder Verzweiflung. Nur eine Figur bleibt Mensch: Sophie Pfennigstorf gibt der Medea das Echtheitzertifikat der liebenden, leidenden, aufbegehrenden Frau. [...] Pfenningstorfs Lübecker Debüt bietet einen starken Charakter, eine große Bandbreite der Gefühle und die Souveränität einer Mutter, der die verstörten Kinder schließlich in den Untergang folgen. Zum Erfolg dieser spannenden Belebung eines Schauspielklassikers tragen bei Jana Wassongs Ortsbeschreibung - erst archaisches Archipel, dann kalter Arrestraum-und die Kostüme: Josa Marx und Ulf Brauner stylen die Kolcher und machen aus den Korinther verkorkste Kinder der Natur. [...] Am Ende gab es ganz starken Applaus.«

(GüZ/Lübeck Erleben)

 

 

 

»[...] Dazu gehört Jana Wassongs eindrucksvolle, durch Vegetatives und bizarre Felsbauten gekennzeichnete Bühnenleidenschaft, die mit ihren Kulissengassen an das Papiertheater des frühen 19. Jahrhunderts erinnert und damit auf Grillparzers Zeit anspielt. [...] Medea wurde von Sophie Pfennigstorf gestaltet. Neu im Ensemble setzte sie gekonnt ihre schauspielerischen Mittel ein, berührend vor allem als von ihren Kindern verlassene Mutter.«

(Unser Lübeck)