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Der Barbier von Sevilla

»Tumult im Orchestergraben. Am Premierenabend vom „Barbier von Sevilla" verlangen die Musiker nach der Partitur. Da ist der Meister wieder einmal nicht rechtzeitig fertig geworden. Gioacchino Rossini höchstpersönlich - als Karikatur auf der raumfüllenden Projektionsfläche - kritzelt hastig die letzten Noten aufs Papier und überreicht sie Dirigent Ryusuke Numajiri, der die Musiker von der Bühne herab mit fliegenden Blättern beglückt. Mit diesem köstlichen Einfall eröffnen Regisseur Pier Francesco Maestrini und Comiczeichner und Ausstatter Joshua Held am Theater Lübeck ein zweieinhalbstündiges Gagfeuerwerk allererster Güte. [...] In diesem grotesk-bunten Szenario rückt Rosina ihrem skrupellosen Vormund Bartolo, der sie der üppigen Mitgift wegen zur Heirat drängt, auch schon mal mit Boxhandschuhen und rosaroter Panzerfaust zu Leibe. Oder jagt ihn (Bartolo), während Wioletta Hebrowskas Mezzosopran in betörender Schönheit aufglüht, in der Comic-Welt durch ein Pac-Man-Labyrinth mit gierig zuschnappenden Mausefallen. Als Don Bartolo in giftgrüner Garderobe bereitet es Eugenio Leggiadri-Gallani offenbar nicht die geringste Mühe, den Saal mit seinem mächtigen, aber weich abgerundeten Bassbariton zu füllen. Mit imposanten stimmlichen Qualitäten wartet an diesem Abend auch Bariton Gerard Quinn in der Rolle des Strippenziehers Figaro auf [...]. [...] Der aus Kiew stammende Bass Taras Konoshchenko verkörpert diese Stinkbombe auf Beinen, die auf der Bühne für zugekniffene Nasen, im Zuschauersaal aber für offen Ohren und viele Lacher sorgt. Ins hohe Register führt indes der lupenrein strahlende Tenor von Alessandro Luciano, [...], während auch Andrea Stadel als Haushälterin mit Hörrohr und Tomasz Mysliwiec als Diener Fiorello und orientierungsloser Offizier ihr komisches Potenzial voll ausreizen. [...] Erstaunlich auch, wie viel Elan und Musizierlust das Philharmonische Orchester der Hansestadt Lübeck unter der Leitung seines ehemaligen Generalmusikdirektors Ryusuke Numajiri verströmt. [Die Musiker peitschen Rossinis Melodien] bei dieser höchst einfallsreichen Inszenierung nun so mitreißend, rhythmisch präzise, dynamisch ausgewogen und farblich transparent aus dem Graben [...].«

(Die deutsche Bühne)

 

 

 

»Ein Spektakel war es, ein witziges obendrein. [...] Insgesamt ein witziger Einstieg in Rossinis berühmteste Oper, schwungvoll und intelligent gemacht. [...] Allen voran wieder Wioletta Hebrowska, die nicht nur ihre halsbrecherischen Koloraturen mit glänzender Geschicklichkeit sang. Schauspielerisch machte sie aus dem Dummchen Rosina eine durchaus selbstbewusste junge Frau, die ihrem Vormund, dem alsters- und geldgeilen Doktor Bartolo, mit Wonne in die Parade fährt. Wieder eine großartige Leistung der jungen Mezzosopranistin. Gerard Quinn als Figaro setzt all seine Routine in dieser Rolle ein. Er spielt den listenreichen Barbier mit so vielen Facetten, wie sein Kostüm erlaubt, gesanglich ist der Schotte seit vielen Jahren eine Bank. Als Gast gab Eugenio Leggiadri-Gallani einen herrlich knorrigen und grantelnden Bartolo, mit profundem Bass und Spaß am Spiel. [...] Taras Konoshchenko als Intrigant Basilio spielte den leicht tumben Bösewicht mit Hingabe und stimmlicher Größe. In den Nebenrollen bewährten sich Andrea Stadel als Hausmädchen Marzelline und Tomasz Mysliwiec als Diener und Offizier. Der von Jan-Michael Krüger einstudierte Herren-Chor zeigte sich sehr spielfreudig.«

(Lübecker Nachrichten)

 

 

 

»Hut ab vor den Sängern, die bei Rossini ja oft atemberaubende Tempi vorzulegen haben. Rosina, zum Beispiel, muss sich bei einer Arie mit halsbrecherischen Koloraturen im Fitnessstudio auf hölzernem Fahrrad abstrampeln, sich dabei die Seele aus dem Leib singen. Wioletta Hebrowska macht das glänzend. Überhaupt liefert die Mezzosopranistin eine begeisternde Partie. [...] Gerard Quinn singt den Figaro, ein schon lebenserfahrener Barbier mit kraftvoller Stimme. Eugenio Leggiadri-Gallani als Bartolo muss ständig auf der Lauer liegen, ist darstellerisch und stimmlich gut disponiert. Seinem Vertrauten Don Basilio (Taras Konoshchenko) gelingt die Verleumdungs-Arie bestens. Eine gute Tenorstimme bringt Alessandro Luciano mit. [...] Seine Parodie auf den Startenor Pavarotti - gelungen. Andrea Stadel macht aus der kleinen Rolle der Marzelline viel.«

(HL-live)

 

 

 

»Wie in der vergangenen Saison ›Die Reise nach Reims‹ ist das Projekt eine Kooperation der Theater in Lübeck, Kiel und der Fondazione Arena die Verona. Und wie in der vergangenen Saison ein großer Spaß. [...] Die Verwirbelung von Film und Realität, die Maestrini und Held so meisterlich beherrschen, hat begonnen. Menschen interagieren mit Figuren und Gegenständen eines Comicfilms und das Orchester spielt punktgenau terminiert dazu - der Berg an Präzisionsarbeit, der dafür erklommen wurde, ist bestenfalls noch zu erahnen. Leicht und locker geht das ohnehin heitere Spiel über die Bühne. Reichliche drei Stunden gibt es an Optischem viel zu bestaunen und zu lachen, sind Ausflüge in die feine Ironie zu sehen, werden keine Kurztrips in deftigeren Humor gescheut, spielt das leibhaftige Bühnenpersonal ambitioniert mit. [...] Wer über den 200 Jahre alten Humor des Komponisten nicht mehr recht lachen konnte, der kann es ziemlich sicher hier. Dem Gesang schadet der Theaterspeck zum Glück nicht. Für das Publikum gibt es Schönes auf die Ohren. Vor allem Wioletta Hebrowska [...] demonstrierte bei der Premiere warum Rossini als Meisterkomponist des Belcanto gilt. Gerard Quinn [...] stattete die Titelrolle des Figaro mit schlitzohriger Lebenserfahrung aus, Eugenio Leggiadri-Gallani legt dem Vormund Bartolo einen herrlich schauderhaften Eigennutz in die Stimme. Und Rossini? Der sitzt zum Schluss in einem animierten Publikum, plumpst dann als kostümierter Dickmops real auf die Bühne und lässt sich feiern. Zu Recht.«

(shz)

 

 

 

»Gerard Quinn war ihm (dem Barbier) mit Spaß auf die Schliche gekommen und sein Bariton war wendig genug für diese muntere Partie mit dem aberwitzigen Parlando. Als Graf Almaviva war Alessandro Luciano eingesprungen, dessen sehr anspruchsvolle Chorarie er kurz vor dem Finale con grandezza hinlegte, [...]. Sein Mündel Rosina, wieder eine Paraderolle für Wioletta Hebrowska, bezauberte alle mit ihrer klangvollen Stimme und den koketten Koloraturen. Die Marzelline war bei der stets spielfreudigen Andrea Stadel bestens aufgehoben. Ihre Arie, ausgerechnet Nr. 13 und kurz vor dem Finale, war ein kleiner Juwel, wenn sie in komischer Verzweiflung von ihren süßen Schmerzen singt, von ihrer Sehnsucht nach einem Mann. Und auch der stets zuverlässige Taras Konoshchenko als Basilio und Thomas Mysliwiec gleich in zwei Rollen (Diener und Offizier) ließen das Plumpe der Figuren durch sehr bewegliche Stimmbänder vergessen. Sehr sicher gab sich der Chor, und auch das Orchester hielt mit, nachdem alle, auch der Dirigent, sich auf die „neue" Partitur eingestellt hatten.«

(unser Lübeck)

 

 

 

»Über alle schwang sich der wunderschöne Mezzosopran von Wioletta Hebrowska: Spielfreudig und mit makellosen Koloraturen [...] wurde ihre Rosina zum Zentrum der Premiere; Lübeck kann sich glücklich schätzen, sie im Ensemble zu wissen. Als ihr Vormund Bartolo avancierte Eugenio Leggiadri-Gallani nicht nur zum Gegenpart, sondern mit souveränem Spielbass und bramarbasierender Selbstverständlichkeit zur zweiten Hauptfigur. [...] Mit ultrahellen Spitzentönen wartete der zweite Gast auf: Alessandro Luciano(Graf Almaviva) outet sich zudem als Erzkomödiant. [...] Jan-Michael Krüger hatte den Herrenchor wieder exakt präpariert.«

(GüZ/Lübeck Erleben)

 

 

 

»Ein lustiges Spektakel mit schönen Tönen und liebevollen Linien. [...] Perfekte Synchronisation, fein justiertes Zusammenspiel zwischen Ensemble wie Orchester vor und Zeichentrickszenen auf der Leinwand sind hier das A und O. Eine Herausforderung, die das Lübecker Ensemble mit spürbarer Spielfreude annimmt. [...] Rein also ins quirlige runde Bühnengeschehen, das Pier Francesco Maestrini [...] und Zeichner Joshua Held hier über drei Stunden entwickeln. [...] Mit der frechen Fantasie des bewährten Duos Maestrini/Held lassen sich in schnellem Lauf auch auf der Leinwand schöne Effekte erzielen, [...]. Dazu gibt es viel gute Musik. Aus dem Ensemble stachen bei der Premiere Eugenio Leggiadri-Gallani als skurriler Bartolo und Wioletta Hebrowska als knackige Rosina stimmlich wie komödiantisch heraus. [...] Mit ausladender Anmut und charmanter Durchtriebenheit behaupteten sich auch Taras Konoshenko, Andrea Stadel und Tomasz Mysliwiec in ihren Rollen als Basilio, Marzelline und Fiorello. Die Chor-Herren trugen mit hoher Bühnenpräsenz ebenfalls zum erfrischend bunten Buffo-Opernabend bei [...].«

(Kieler Nachrichten)

 

 

 

»(Das Regieteam Pier F. Maestrini und Joshua Held hat) wiederum am Theater Lübeck ihrer Fantasie einmal mehr freien Lauf lassen können und heraus kam eine, auf eine helle, bühnengroße Rückwand mit Schlitz (als Tür) in die Handlung perfekt integrierte und projizierte, fulminant gezeichnete Comichandlung. [...] Ein grandioses Spektakel, da die Komik nie plakativ oder aufgesetzt wirkte. Die fantasievolle Verschmelzung von Comic und real auf der Bühne agierenden Figuren, optisch nahezu identisch, allein das war schon einen Besuch wert. [...] Eugenio Leggiadri-Gallani war als Bartolo einer der Höhepunkte des Abends; ohne vordergründigen und aufgesetzt wirkenden Humor zeichnete er ein witziges, vollkommen überzeugendes Rollenporträt. Auch Wioletta Hebrowska, eine Größe im Lübecker Ensemble, war als vollschlank und vollbusig kostümierte Rosina mit ihrem dunklen Stimmtimbre, ihren großartig ausgeformten Koloraturen und ihrem überwältigendem Spiel grandios. (Der schottische) Bariton, Gerard Quinn, ebenfalls eine „Tragende Säule" im Ensemble, [...]meisterte [...] die Rolle des Figaro geradezu markant bravourös, auch in den sehr virtuosen Sequenzen der anspruchsvollen Auftrittsarie. [...] Die Herren des Chores und Extrachores des Theater Lübeck waren einmal mehr hervorragend.«

(Ihr Opernratgeber)