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Orpheus steigt herab

»In Lübeck inszeniert zum ersten Mal der junge Sebastian Schug, und etwas beinahe Sensationelles passiert. Er schreibt das Stück nicht neu und nicht um. Er streicht es auch nicht auf die Hälfte zusammen. Er nimmt den Autor beim Wort. Das ist heutzutage selten geworden. Ein 60 Jahre alter Text wird so gespielt, wie der Autor ihn schrieb. Das Stück dankt es ihm. Es braucht nur einige Einspielminuten. Spätestens beim ersten Auftritt der durchgeknallten Carol sind Spannung und Stimmung da. Insbesondere nach der Pause entladen sich wahre Gefühlsgewitter, wird der Lebenskampf mit harten Bandagen ausgefochten. Auch das Bühnenbild von Christian Kiehl ist solide, deutet in einer Mischung aus Kramladen und Aufenthaltsraum Verkaufsabteilungen, Bar oder Alkoven an. Stimmig führt der Regisseur die Figuren durch das wild wuchernde Gestrüpp der Gefühle. Ganz große Momente hat Agnes Mann in der Rolle der Lady, der kämpfenden, nur scheinbar mitleidlosen, gequälten Frau, die nach schweren Jahren frei sein möchte und zur Rachegöttin werden will. Patrick Berg als Val ist kein Schönling, der nur durch Äußeres besticht. Aber die Rolle verlangt nicht unbedingt den jungen Marlon Brando, der sie im Film verkörperte. Den Charakter des Gitarrespielers, wechselnd zwischen Träumerei und Realität, deutet Berg gut aus. Susanne Höhne mit loderndem fliegendem Rothaar verleiht körperbetont der Sucht und Sehnsucht der Carol intensiven Ausdruck. […] Die drei Akte erzeugten insbesondere nach der Pause noch einmal große Dichte und Spannung. Herzlicher, langer Schlussbeifall.

(HL-live)

 

 

 

»Ein Südstaatendrama von Tennessee Williams: Viel Beifall für ›Orpheus steigt herab‹ im Theater Lübeck. […] Agnes Mann spielt diese Lady mit einer großartigen Mischung aus Stolz und Verletzlichkeit. Man sieht ihr berührt dabei zu, wie sie mit ihrer Verzweiflung ringt und langsam kippt. […] Auch Carol wartet auf Erlösung. […] Sie geistert wie ein Irrlicht durch diese enge Welt, und Susanne Höhne nimmt sich wunderbar alle Freiheiten, die ihre Rolle bietet. […] Patrick Berg spielt Val. Er betritt diesen lauernden Ort eher unscheinbar. Er hat nicht diese überfallartige Marlon-Brando-Präzenz (aber wer hat die schon?), sondern gewinnt im Laufe des Stückes Kontur. Er ist der Spieler, der Orpheus, der herabsteigt in die Hölle einer Kleinstadt, in der die Hölle wie immer die anderen sind. Sebastian Schug hat das Stück sehr nah am Original inszeniert. Der Laden von Jabe steht als Laden auf der Bühne, es gibt kaum Striche im Text. […] In den Lübecker Kammerspielen wurde der lange Abend am Freitag mit langem Beifall bedacht.«

(Lübecker Nachrichten)

 

 

 

»›Orpheus steigt herab‹ setzt die Reihe der Tennessee-Williams-Werke jetzt in den Kammerspielen fort. Nach subtilem Beginn kommt der Abend bald auf Hochspannung. Und ein mitgehendes Publikum applaudierte der Premiere am Ende ausdauernd. [...] Sebastian Schug, er inszeniert erstmals in Lübeck, hebt das Stück aus Williams‘ Südstaaten-Dumpfbrüter-Atmosphäre heraus - mit klarem Blick auf die Menschen, deren Seelen Dichter und Dramatiker seit der Antike immer wieder zu ergründen suchen. In schnörkellosem Realismus macht Schug kein verquastes Drama, sondern klar, wie die Menschen immer wieder in die Primitivität zurückfallen [...]. Was die Szene so nachvollziehbar und die gut drei Stunden wahrhaft spannend machen, ist Schugs Konzentration auf den Text und die Akteure [...] er führt sie, kann ihnen in Gang und Geste, Sprachduktus und Mimik eine Individualität geben, die die Zuschauer fesselt. Bei Schug ist Val Xavier kein Macho (wie Marlon Brando einst in der Verfilmung), sondern die Projektionsfläche für die unterdrückten Wünsche der Frauen. Patrick Berg wirkt oft wie beiläufig anwesend - wenn er aber aktiv wird, lässt er spüren, dass sein Orpheus kein Fabelwesen ist und die Liedchen zur Gitarre nur Nebensache sind. [...] Dem fahrenden Sänger verfallen drei: Vee Talbott, der Astrid Färber alles Hingebungsvolle einer hypochondrischen Visionärin einhaucht - Carol Cutrere, mit der Susanne Höhne wieder eine exzentrische Williams-Figur um jeden Preis taumelt, bei der alle Sehnsucht nie die Endstation erreicht - und Lady Torrance. In dieser Rolle ist Agnes Mann der eigentliche Mittelpunkt; Diktion und Körpersprache bieten Realitätssinn ebenso auf wie Humor und die Verletzlichkeit einer Frau, die sich nichts mehr nehmen lassen will.«

(GÜZ/Lübecker Stadtzeitung)

 

 

 

»Zwischen Trauer, Wut und Einsamkeit ist viel Platz für Stolz und Verletzlichkeit - insbesondere hervorragend dargestellt von Lady (Agnes Mann). [...] Das von Sebastian Schug inszenierte Drama überzeugt durch die geschickte Darstellung der allgemeinen Tristes des Spielortes [...] Auch nimmt das Stück Bezug zur aktuellen politischen Lage durch die sehr gut dargestellte Angst und gefühlte Bedrohung durch das Fremde.«

(Ultimo)