Home    Termine    Spielzeit    Ensemble    Theaterpädagogik    Service    Kartenkauf online    Extras    Junges Publikum
Iwanow

»Lilja Rupprecht und ihr Regieteam inszenieren ›Iwanow‹ von Anton Tschechow mit energischen, fast ruppigen Strichen - und treffen den Geschmack des Premierenpublikums. [...] Im Publikum jedenfalls köchelt das Amüsement unausgesetzt. [...] Lübecks ›Iwanow‹ setzt auf das Komische im Tragischen [...]. ›Normal‹ scheint [...] nur Iwanow, den Jan Byl bei allem Selbsekel und trotz der verbal brutalen Auseinandersetzung mit seiner kranken Frau zum sympathischen Kerl macht. Die neun Darsteller sind allesamt gut aufgelegt. Bemerkenswert ebenfalls die Arbeit des Regieteams. Wenn die Videokamera das Bild der kranken Agnes auf den Totenschädel projiziert, entsteht interpretatorischer Mehrwert. Theaternebel unterstreicht raumfüllend, wie es im Hirn der Schwermütigen aussehen mag. Und zu allem rotiert auf der Drehbühne der Totenschädel, der für saftlose Existenz, fruchtlose Grübelei, das Ende einer Lebensform im Allgemeinen sowie des Titelhelden im Besonderen steht.«

(shz)

 

 

 

»Der Tod ist anwesend. [...] Rachel Behringer als Nachbarstochter Sascha hat quecksilbrige Auftritte. Die junge Frau schmettert Iwanow eine exaltierte Liebeserklärung an den Kopf, sie gibt vor, ihn selbstlos retten zu wollen. Und sie wendet sich in einem Anflug von juvenilem Rebellentum ans Publikum, es solle sich einmischen: „Seid einmal im Leben Helden! [...] Behringer ist in ihrer Tragik so komisch wie Sven Simon als Graf Schabjelski in seiner Misanthropie. Sein Standardurteil über die Umwelt lautet „Blödsinn, und er äußert es so stolz wie feige (Anwesende ausgenommen). Der fabelhafte Jan Byl befreit seinen Iwanow nur selten aus der katatonischen Starre.«

(Lübecker Nachrichten)

 

 

 

»Von ›leisen Auftritten‹ aber hält Regisseurin Lilja Rupprecht überhaupt nichts. Sie bietet fast durchgehend Volldampftheater. [...] Eine großartige Leistung zeigt Vincenz Türpe (Pächter Borkin). Er wirft sich mit Leidenschaft, mit Akrobatik ins Werk, überzeugt von ersten nahezu epileptischen Anfällen bis zum ›Conferencier‹ mit Mikro in der Hand, sprudelnd von Ideen und Spielwitz. Sven Simon als knorriger, galliger alter Graf - ebenfalls ein Volltreffer. [...] Über dem Totenschädel (Ausstattung Geraldine Arnold und Korbinian Schmidt) rieselt leise der Schnee. Offenbar soll angedeutet werden, dass die Gefühle eingefroren sind. Dafür dürften die Diskussionen um diese Inszenierung umso heißer ausfallen. Das Premierenpublikum bezog die Regie in ihrer Bravorufe mit ein.«

(HL-live)

 

 

 

»In Lübeck stellt Lilja Rupprecht Tschechows passionierte Lebensschwere genüsslich auf den Präsentierteller. [...] Rupprechts um den gigantischen Schädel gebaute Bilder [...] entwickeln durchaus Sog und Reiz. Im Gebrauch der Drehbühne zum immer wieder neue Konstellationen herbeiführenden Schreiten. In immer wieder eingesetzten Freezes des Personals, was Iwanows Kopf etwas Museales verleiht. In als Live-Video-Bild auf Schädel und Gaze davor projizierte Nahaufnahmen der in Iwanow dringenden Figuren. Vor allem aber im [...] Unterfangen, die Figurenzuordnung in Chorgruppen aufzulösen. Ganze Passagen des dritten Akts, in dem es mit gleicher Dringlichkeit um Iwanows Schuld wie Schulden geht, werden über die Figurengrenzen hinweg als Chor gesprochen. Mal sprechkonzentriert vorn an der Rampe, mal Text gleichsam hin und her schiebend (und hier in einheitlicher Perücke) trunken an den Schädel gekauert. Mal als sich hübsch in abstruse gestische Echos verdrehender Dialog. Wie ein psychedelischer Filmeffekt. Und also nochmal anders rein ins Kopf-Kino des unrettbaren Iwanow.«

(nachtkritik.de)

 

 

 

»Mal heiter, mal tieftraurig, aber in Lübeck immer ein Grund zu köchelndem Amüsement. [...] Die Inszenierung präsentiert das Komische im Tragischen. [...] Ist dieser Blick auf den Archetyp des überflüssigen Menschen, wie er am Ende des 19. Jahrhunderts durch die russische Literatur geistert, zum Lachen? Im Publikum jedenfalls köchelt das Amüsement unausgesetzt. Gewitzt zieht das Regieteam die Geschichte des Stückes als doppelten Boden ein: [...] Lübecks ›Iwanow‹ setzt auf das Komische im Tragischen, dass dies nicht zart, sondern deutlich und gelegentlich mit Hilfe von Slapstick-ähnlicher Einlagen geschieht, schadet nicht. Wo Fragilität in der Auseinandersetzung mit den komplizierten Charakteren vermutet werden sollte, ordnet Rupprecht kräftige Konturen an: Man sprich nicht von Langeweile und Schwermut, man schreit. [...] Die neun Darsteller sind allesamt gut aufgelegt. Bemerkenswert ebenfalls die Arbeit des Regieteams. Wenn die Videokamera das Bild der kranken Agnes auf den Totenschädel projiziert, entsteht interpretatorischer Mehrwert. Theaternebel unterstreicht raumfüllend, wie es im Hirn eines Schwermütigen aussehen mag.«

(Lübeckische Blätter)