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Der Spieler

»In Lübeck nimmt sich Mirja Biel, gebürtige Kielerin, auf der Hauptbühne des Schauspiels zwei Stunden. [...] Eine Psychokomödie in Lübeck [...] auf schauspielerisch sehr hohem Niveau. [...] Aus Lautsprecherboxen kommt der sirrend verstörende Soundtrack einer verstörten Welt, der zu maschinell aufputschenden Rhythmen formatiert wird, wenn sich leeres Partygeplauder in wildem Zocken entlädt. Und schließlich in einer schön traurig dahingehauchten Version von Velvet Undergrounds ›Pale blue eyes‹ ausklingt, über die ein knarzig orgelnder Klangsturm hinwegfegt. Toll! Aber das sind nur Momente. Biel inszeniert eher sachlich satirisch - ein Theater der Entzauberung. [...] In Lübeck ist Jochen Weichenthal ein kumpelig netter, kugelbäuchiger Alexej, ein Drömel, beispielhaft normal. Der für Berichte aus seinen Abgründen immer mal wieder aus der Rolle ans Mikrofon treten muss. Dann wettert er gegen die Deutschen, die Kapital nur durch anständige Arbeit zu kulminieren wüssten. Er will schneller kulminieren und seine ganze mittelmäßige Existenz auf den Roulett-Tisch werfen. Schwärmt vom ›Unbegrenzten‹ und der Freiheit des Spiels, sich auch mal über den Abgrund zu beugen. Was er tut. Und kurz mal richtig fett gewinnt. Auf dass Geldnoten wie Märchenschnee per Windmaschine über die Bühne gewirbelt werden. [...] Biel schaut in Lübeck auch mit Live-Video-Nahaufnahmen genauer hin, wie der Gewinn des ersten Rubels und Verlust des letzten Wertpapiers dazu antreiben, immer mehr gewinnen oder alles zurückholen zu müssen. Bis dieses unwiderstehliche Machtgefühl - alles sei möglich, der Spieler Herr seines Schicksals - als Selbstbetrug entlarvt wird. Der Lübecker Abend ist dabei so spannend wie der Hamburger. So dass ein Dostojewski-Publikum in 70 Kilometer Entfernung auch zweimal begeistert werden kann.«

(taz)

 

 

 

»Das Lübecker Theater macht neue Lust auf einen 150 Jahre alten Roman. [...] Mirja Biel, die auch das Bühnenbild verantwortet, inszeniert das Stück in einer Zwischenwelt [...]. Zu besichtigen ist eine schlüssige, wenn auch kühle Inszenierung. Ihr Feuer verdankt sie den großartigen Leistungen der acht Darsteller. Da ist Jochen Weichenthal, der sich als Spieler Alexej packend auf den Weg ins emotionale Abseits macht. Da ist Timo Tank, der als General in die geistige Leere rutscht, da sind Rachel Behringer, Agnes Mann, Jan Byl und Henning Sembritzki, die den zwielichtigen Gestalten Polina, Blanche, Des Grieux und Mister Astley Tiefe geben. Und vor allem sind da Astrid Färber und Robert Brandt, die als Erbtante und Diener dem scharfen Humor Dostojewskis zum Leben verhelfen. [...] Man geht mit neuer Lust auf den Roman.«

(shz)

 

 

 

»Es ist eine seltsam angeschlagene Gesellschaft, die Fjodor Dostojewski da in Roulettenburg versammelt hat. Männer und Frauen, die sich durch ihre Sehnsüchte treiben lassen und im Grunde alle nur auf eine gute Nachricht warten [...]. Die Regisseurin Mirja Biel und die Lübecker Dramaturgin Anja Sackarendt haben aus der Romanvorlage eine Bühnenfassung gemacht [...]. Mirja Biel ist auch für das Bühnenbild verantwortlich und lässt die Spieler vor einem großen Quader agieren [...]. Alexej steht im Zentrum dieses Stücks, ein Hauslehrer, ein Mann in Trainingsanzug und Glitzerjacket, der anfangs eine Distanz hat zu dem ganzen Trieben und den Jochen Weichenthal zwischen Selbstverleugnung und Selbstbehauptung spielt. [...] Eine irre Begehrlichkeit wird dann deutlich, nach Geld und anderem, was Erlösung verspricht, und Astrid Färber bringt diese Besinnungslosigkeit auf den Punkt. [...] In der Inszenierung schnurrt ihr Auftritt auf eine verkürzte Sequenz zusammen, aber Astrid Färber da auf dem Sessel steht und sich völlig verliert in ihrer Gier, das ist gandios.«

(Lübecker Nachrichten)

 

 

 

»Regisseurin Mirja Biel führt die Figuren sicher durch allerlei turbulente Szenen. Die Charaktere kommen gut zur Geltung: die überlegene Coolness des Briten (Henning Sembritzki), die Lebenslust und Unbekümmertheit des Franzosen (Jan Byl), die Lässigkeit des russischen Generals (Timo Tank), der dann der Verzweiflung anheimfällt. Jochen Weichenthal als Lehrer erweist sich als Faktotum der schönen Scheinwelt. Die Blanche von Agnes Mann macht deutlich, dass ihre Liebe dem Geld geschuldet ist. Die Polina von Rachel Behringer schwankt noch kindlich zwischen den Amouren. Astrid Färber darf als lebenslustige Oma voll aufdrehen, endet ebenfalls in der Misere. Ihren Diener spielt Robert Brandt als zunächst sprachlosen, später philosophierenden Hausgeist. In unterschiedlichen Facetten unterstreicht die Musik von Sophia Kennedy die Stimmung.«

(hl-live)

 

 

 

»Jochen Weichenthal verkörpert diesen Alexej geschickt. Geschwätzig und subjektiv kommentiert er das Geschehen oder charakterisiert die Personen, teils wie Klatsch vom Hörensagen her. [...] Rachel Behringer kennzeichnet den kühlen, undurchsichtigen Charakter gekonnt und gibt ihr eine hinreißend gute Figur, die noch durch die treffenden Kostüme Katrin Wolfermanns unterstrichen wird. [...] Agnes Mann, die mit dieser Rolle ihr Debut als Ensemblemitglied gibt, spielt diese vornehme und vermeintlich reiche Französin mit viel Finesse. [...] Astrid Färber genießt ihren lebenssprühenden, knallig kostümierten Auftritt, mit dem sie die Hoffnungen aller durchkreuzt. An ihrer Seite hat Robert Brandt eine urkomische Rolle bekommen. In einem eng sitzenden Kostüm stöckelt er als ihr Diener Potapytsch durch die Szene, grandios in seiner Sprachnot, bis sein Frust ihn in seiner ›Fuck you‹-Rede befreit. [...] Der Applaus war dennoch groß. Das Vergnügliche siegte.«

(unser Lübeck)