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6. Sinfoniekonzert
Befreit von Vätern und Titanen
Richard Strauss (1864-1949)
»Macbeth« op. 23

Richard Strauss
Konzert für Horn und Orchester Nr. 1 Es-Dur op. 11

Johannes Brahms (1833-1897)
Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68


Richard Strauss’ früheste musikalische Kindheitserinnerungen wurden wesentlich durch seinen Vater geprägt: Franz Joseph Strauss war Hornist der Königlich Bayerischen Hofkapelle, und ihm widmete Richard Strauss sein 1882/83 entstandenes erstes Hornkonzert. Darin finden sich einerseits Bezüge zu Mendelssohn Bartholdy und Weber, aber auch das väterliche Vorbild ist musikalisch sehr präsent, denn neben formalen Ähnlichkeiten sind Anlehnungen an bestimmte Motive aus dem Hornkonzert in c-Moll von Franz Strauss erkennbar. Hans von Bülow verurteilte diese direkte Bezugnahme als »altväterisch«, setzte sich jedoch entscheidend für das Konzert ein und dirigierte die Uraufführung im Jahre 1885 in Meiningen. Franz Strauss selbst aber nahm das spieltechnisch sehr anspruchsvolle Werk seines Sohnes angeblich mit Unwillen auf.

Wenige Jahre später emanzipierte Strauss sich von Übervätern und Vorbildern und schrieb mit seiner Tondichtung »Macbeth« sein nach eigenen Worten bis dahin »selbständigstes und zielbewusstestes Werk«. Hier versuchte er, den Konflikt zwischen dem Absolutheitsanspruch der »reinen Musik«, wie ihn zum Beispiel die Anhänger Johannes Brahms’ vertraten, und einem dramatischen Fortschreiten der Musik im Sinne einer konkreten Handlung, wie es vor allem Franz Liszt oder Hector Berlioz gefordert hatten, zu überwinden. Einerseits folgte er mit seiner Tondichtung der von Liszt und Berlioz begründeten Tradition der Sinfonischen Dichtung, schlug jedoch insbesondere bei der Instrumentation eigene Wege ein und fand hier, ähnlich wie im »Don Juan«, seine unverwechselbare eigene Tonsprache. Dabei hielt er sich dicht an die Shakespearesche Vorlage und schuf eine dämonisch-düstere Atmosphäre, die vom Thema des Macbeth und dem der ehrgeizigen Lady Macbeth, die ihren Mann zum Königsmord treibt, beherrscht wird. Da Strauss die Komposition zwar schon 1886 begann, aber erst 1888 vollendete und später auf Rat Hans von Bülows noch einmal überarbeitete, steht das Werk in der Opuszählung hinter dem »Don Juan«, entstand jedoch früher.

Einen Akt der Befreiung stellt auch die Erste Sinfonie von Johannes Brahms dar, die am 4. November 1876 in Karlsruhe uraufgeführt wurde. Fast anderthalb Jahrzehnte rang Brahms mit sich und seinem Erstling in dieser Gattung. Zu übermächtig erschien ihm der »Titan« Beethoven, dessen Vorbild ihm schwer auf der Seele lastete und jeglichen Versuch, sich selbst auf dem Gebiet der Sinfonie zu betätigen, erstickte. Erste Entwürfe sollen bereits 1855 entstanden sein, und Clara Schumann lernte den ersten Satz bereits 1862 kennen. Aber bevor es soweit war und Brahms selbst sich seiner ersten Sinfonie gewachsen fühlte, musste er erst die Serenaden, die Haydn-Variationen und sein Klavierkonzert d-Moll schreiben, das aus einer ersten Skizze seiner Sinfonie hervorging. Am Ende überwand Brahms seine Selbstzweifel und komponierte mit seiner Ersten gleich das Werk, das Hans von Bülow als »Die Zehnte« bezeichnete – womit er sie ehrfurchtsvoll in die Reihe der neun Sinfonien Beethovens stellte.


Foto © Jochen Quast

Konzert
Dirigent Philipp Pointner
Horn Marie-Luise Neunecker