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2. Sinfoniekonzert
Der Einsame in der Natur
Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Sinfonie Nr. 6 F-Dur »Pastorale« op. 68

Hector Berlioz (1803-1869)
»Harold en Italie« op. 16


»Ein Baum bedeutet mir mehr als ein Mensch.« Ob dieser Ludwig van Beethoven zugeschriebene Satz wirklich von diesem stammt, ist nicht gesichert; Beethovens Liebe zur Natur hingegen ist unbestritten und fand ihren stärksten Ausdruck in seiner Sinfonie Nr. 6, der »Pastoral-Sinfonie oder Erinnerungen an das Landleben«, wie er selbst sein Werk betitelte. Erste Skizzen dazu entstanden bereits 1803, doch die eigentliche Komposition fiel in die Jahre 1807/08. Mit jedem der fünf Sätze schildert Beethoven eine konkrete Situation, bzw. die Eindrücke eines Spazierganges auf dem Lande, wie er selbst sie gerne unternahm: »Mein unglückseliges Gehör plagt mich hier nicht. Ist es doch, als ob jeder Baum zu mir spräche auf dem Lande: heilig, heilig! Im Walde Entzücken!« Dieses Bild des idyllischen Landlebens, in dem das gequälte Individuum Ruhe und Ausgeglichenheit findet, entspricht den Ende des 18. Jahrhunderts aufkommenden und vor allem durch Jean-Jacques Rousseau verbreiteten Vorstellungen von der Natur als einem tröstlichen Zufluchtsort, an dem die in der städtischen Zivilisation verloren gegangene Harmonie zwischen Mensch und Schöpfung noch intakt schien: So ist auch gleich der erste Satz der Sinfonie mit dem Titel Erwachen heiterer Empfindungen bey der Ankunft auf dem Lande überschrieben. Im zweiten Satz, der Szene am Bach, hat Beethoven nicht nur den murmelnden Bach dargestellt, sondern lässt sogar Nachtigall-, Wachtel- und Kuckucksrufe ertönen, bevor er nach den heiteren Klängen einer Dorfkapelle im vierten Satz Gewitter und Sturm heraufbeschwört, um im fünften Satz mit den Frohen und dankbaren Gefühlen nach dem Sturm die Ehrfurcht vor der Erhabenheit der Naturgewalten zum Ausdruck zu bringen.

Für den großen romantischen Komponisten Hector Berlioz war gerade die Sechste die »schönste der Beethovenschen Kompositionen«, weil sie »einen unvergleichlich größeren Eindruck macht als irgendeine andere«. In seiner von Lord Byrons Versepos »Childe Harold’s Pilgrimage« inspirierten Sinfonie »Harold en Italie« von 1834 schuf er seinerseits musikalische Bilder nach eigenen Reiseeindrücken. Die Natur, in deren Abgeschiedenheit sich die Titelfigur Harold – dargestellt von der Solobratsche: Berlioz schrieb das Werk für den berühmten Geiger Paganini – hier zurückzieht, ist nun nicht mehr der Wald, sondern befindet sich in den italienischen Abruzzen: So trägt der erste Satz den Titel Harold in den Bergen. Szenen der Melancholie, des Glücks und der Freude. Der darauffolgende Marsch der Pilger war bei der Uraufführung so erfolgreich, dass der Satz sogar wiederholt werden musste.


Foto © Jochen Quast

Konzert
Dirigent Roland Kluttig
Viola Nicholas Hancox