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4. Sinfoniekonzert
Gioachino Rossini (1792-1868)
Ouvertüre zu »Die Italienerin in Algier«

Dmitri Schostakowitsch (1906-1975)
Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester c-Moll op. 35

Alfredo Casella (1883-1947)
Sinfonie Nr. 1 h-Moll op. 5


»Die Italienerin in Algier« entstand relativ früh in Gioachino Rossinis Karriere. 1813 wurde das »dramma giocoso per musica« in zwei Teilen für das Teatro San Benedetto in Venedig komponiert. Die Ouvertüre beginnt mit einer von gezupften Streichern begleiteten lieblichen Oboenmelodie, der sich dann – angeführt von den Holzbläsern – ein für den Komponisten typisches spritziges Allegro anschließt.

Schostakowitschs 1. Klavierkonzert hat die ungewöhnliche Besetzung von Klavier, obligater Solotrompete und Streichorchester. Das 1933 entstandene Werk knüpft an den Hang des jungen Komponisten zu Parodie und Groteske, zu übermütigen Stimmungswechseln und wohlüberlegter Provokation an. Es wäre allerdings falsch, neben den heiteren und unterhaltsamen Zügen, neben den Sarkasmen und dem teils drastischen Witz seines Klavierkonzertes, den von allen ironischen Brechungen freien, lyrisch-kantablen Ton des Lento zu übersehen. Die kammermusikalische Faktur steht dem Barock nahe. Umso entschiedener ist die Absage an das (spät-)romantische Virtuosenkonzert. Dennoch bleibt offen, ob dem Neoklassizismus der 1920er-Jahre eines Strawinsky oder Hindemith in diesem Werk gehuldigt, oder ob er liebevoll parodiert wird: Zitate aus Trivialmusik und Wiener Klassik stehen sich gänzlich unvermittelt gegenüber.

Der italienische Komponist Alfredo Casella (1883–1947) ist hierzulande nahezu unbekannt und seine drei Sinfonien wurden erst in den vergangenen Jahren auf den Konzertpodien (wieder-)entdeckt. Im Rückblick schrieb der 55-jährige Casella über den 23-jährigen Komponisten der 1. Sinfonie: »Ich dachte, ich hätte ein Meisterwerk komponiert. Unglücklicherweise wurde es schnell publiziert.« – »Unglücklicherweise«, weil es laut des reifen Casella ein sehr jugendliches Werk ist, das zwischen einem starken russischen Einfluss und dem von Brahms und dem rumänischen Komponisten Enescu hin- und herschwankt. Gerade dieses jugendlich-unbedarfte Schwanken macht aus heutiger Sicht vielleicht gerade die Faszination dieses ersten, großbesetzten Werkes des Komponisten aus. Geradezu paradox mutet es an, dass der ältere Casella ein überzeugter Vertreter einer spezifisch italienischen Nationalmusik zur Zeit des Faschismus war und zugleich wie kaum ein anderer italienischer Komponist seiner Generation mit der gesamten europäischen Musikkultur vertraut war, wie seine jugendliche 1. Sinfonie beweist.


Foto © Olaf Malzahn

Konzert
So
15/12/19
11.00 Uhr
Musik- und Kongresshalle, Konzertsaal

Mo
16/12/19
19.30 Uhr
Musik- und Kongresshalle, Konzertsaal

Dirigent Francesco Pasqualetti
Klavier Sofja Gülbadamova
Trompete Joachim Pfeiffer