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2. Sinfoniekonzert
»Lasst mich allein!«
Antonín Dvořák (1841-1904)
Konzert für Violoncello und Orchester h-Moll op. 104

Peter Tschaikowsky (1840-1893)
»Manfred«-Sinfonie op. 58


Antonín Dvořák gehört zu den Vätern der böhmisch-tschechischen Musik und galt bereits zu Lebzeiten als »böhmischer Brahms«, doch das Konzert für Violoncello und Orchester, das heute zu den meistgespielten Solo-Konzerten des 19. Jahrhunderts zählt, entstand nicht in seiner Heimat in Prag, sondern in Amerika, im Winter 1894/95; es ist das letzte größere Werk, das noch dort entstand und wurde maßgeblich durch Krankheit und Tod seiner früheren Jugendliebe und Schwägerin Josefine Kounicová-Čermáková im Frühjahr 1895 beeinflusst. Im Gedanken an sie schrieb Dvořák ihr Lieblingslied »Lasst mich allein!« in den langsamen Satz hinein und verzichtete am Schluss des Konzertes auf eine Kadenz: Stattdessen klingt der letzte Satz »diminuendo wie ein Hauch« aus.

»Lasst mich allein!« könnte auch das Motto des romantischen Helden Manfred lauten. Eng angelehnt an Lord Byrons dramatisches gleichnamiges Gedicht über den rastlos in den Alpen umherirrenden ewig Suchenden, schrieb Peter Tschaikowsky 1885 seine selten zu hörende »Manfred«-Sinfonie, die in einigen Zügen »Harold en Italie« von Hector Berlioz ähnelt, für den das Programm ursprünglich gedacht war: So stellt der erste Satz den weltflüchtigen Manfred in der Einsamkeit der Berge vor, »gefoltert von Qualen des Zweifels, zerrissen von Reue und Verzweiflung«. Es folgt die Vision der Alpenfee, die Manfred »im Regenbogen eines sprühenden Gebirgswasserfalls« erscheint, bevor mit der Pastorale im dritten Satz das friedliche Leben der Bergbewohner heraufbeschworen wird, deren Idylle im krassen Gegensatz zu Manfreds ruhelos getriebenem Wesen steht. Den abschließenden Höhepunkt der äußerst reich instrumentierten Sinfonie bildet das Bacchanal in Ahrimans unterirdischem Palast, in dessen Verlauf der Hörer sogar an einer Geisterbeschwörung teilnimmt: Manfred wird das baldige Ende seiner irdischen Qualen vorausgesagt. Während der entfesselte Orchesterklang im Finale mit Pauken und Fanfaren in eine überraschend von der Orgel bestimmte Verklärung mündet, findet Manfred die Erlösung seiner Leiden im Tod. Tschaikowsky selbst weissagte, dass diese Sinfonie »wegen ihrer außergewöhnlichen Kompliziertheit und Schwierigkeit nur alle zehn Jahre einmal gespielt werden würde« – nun bietet sich die Gelegenheit, das anspruchsvolle Werk live zu erleben.

Mit freundlicher Unterstützung der Philharmonischen Gesellschaft Lübeck / Lübecker Philharmoniker e.V.


Foto © Olaf Malzahn

Konzert
Dirigent Michail Jurowski
Violoncello Alexander Ramm