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Simon Boccanegra
»Die Genuesen haben eine neue Art Wechselgeschäfte erfunden, welche sie Messen von Besançon nennen, weil diese dort ihren Ursprung genommen haben; heute aber finden sie statt in Savoyen, in Piemont, in der Lombardei, im Trento, vor den Thoren Genuas oder wo man sonst will, sodass man sie besser ›Utopia‹, d. h. ›Messen ohne Ort‹ nennen kann.«
Bernardo Davanzati. 1581.


Der Doge ist tot! Es lebe der Doge! Damit ließe sich die Geschichte auf den Punkt bringen, die Verdi in seiner Oper über den Dogen Simon Boccanegra erzählt, der 24 Jahre autoritär im Genua des ausgehenden Mittelalters herrschte, bevor er offenbar einem Giftmord zum Opfer fiel. »Frieden! Liebe!« – das sind die Worte des Dogen, wenn es brenzlig wird. Wenn man diese Worte im Kontext einer politischen Rhetorik belässt, die nur den Fortbestand der »eigenen« Macht sichern will, mögen sie musikalisch »unsterblich« erscheinen und zugleich wirkungslos, ohne Nachhall mit jeder Aufführung »für immer« verstummen. – Die großen Szenen, die Verdi in seiner Oper entwirft, öffnen den Blick für Anatomien der Macht in einer (Welt-)Stadtgesellschaft: Genua – mit dieser südlichen »Hansestadt« kommt nicht nur die Herkunftsregion des Christoph Kolumbus ins Spiel.

Genua ist auch ein maßgebliches Kultur- und Wirtschaftszentrum in der Entwicklung des modernen, globalen kreditbasierten Kapitalismus und »seiner« Kriege. Zweierlei Optionen für eine »bessere Welt« dämmern in Verdis Werk auf: Im Ersterben einer ganzen Generation männlicher Mandatsträger könnten Worte wie »Liebe« und »Frieden« für einen Augenblick begreiflich oder sogar lebbar werden. Und wenn in Verdis Erzählung von Liebe, (Ohn-)Macht und Tod die Perspektive einer Frau endlich Stimme und Mandat erhält, könnte eine solche Abdankung echter Neubeginn sein.

In dieser Koproduktion mit dem Theater Hagen wird Genua zu einem Ort, der Machtverhältnisse in ihrer ganzen Schönheit, ihrem ganzen Grauen erlebbar macht.

Dass die Produktion vom Rezensenten der Opernwelt als »eine der besten Verdi-Inszenierungen, die ich in den letzten Jahren an einem deutschen Opernhaus gesehen habe« bezeichnet wurde, steigert unsere Vorfreude noch.

Premiere
30/05/20

Großes Haus
Die nächsten Termine
Sa
30/05/20
19.30 Uhr
Großes Haus

Fr
12/06/20
19.30 Uhr
Großes Haus

Musikalische Leitung Stefan Vladar
Inszenierung Magdalena Fuchsberger
Bühne Monika Biegler
Kostüme Kathrin Hegedüsch