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Der Freischütz
»Nein, länger trag’ ich nicht die Qualen,
die Angst, die jede Hoffnung raubt!«
How German is it? – der Titel des Romans von Walter Abish von 1981 könnte Motto jeder Inszenierung des bis heute als deutsche Nationaloper apostrophierten »Freischütz « von Carl Maria von Weber sein. Der Jägerchor darin, dessen Text niemand, dessen Musik jeder kennt, ist das Emblem der Jäger als Handlanger feudaler Herrschaft. Er konstruiert einen Gegensatz zur Welt der Bauern, die ihrerseits nicht nur in den Bauerntänzen der Bühnenmusik hörbar wird, sondern mit Kilians »Schau der Herr mich an als König!« auch mit einer bis heute bei Schützenfesten intonierten Melodie markiert ist. Zwischen diesen Welten liegen nicht minder berühmte Arien von Agathe und Max, die es an anrührender Innigkeit wie musikalischer Dramatik mit jeder Verdi-Nummer aufnehmen können. Aber was zum Teufel, was zum Samiel, hat das mit deutscher Nation zu tun? Schließlich ist hier nirgendwo – wie bei Verdi – vom Vaterland die Rede oder vom Freiheitskampf, stattdessen nur viel von Gott und »bösen Mächten«.

Das Geheimnis des »Freischütz« liegt vielleicht tatsächlich »nur« in seiner musikalischen Wirkungsmacht. Weber schuf eine gültige musikalische Beschreibung der deutsch(sprachig)en Gesellschaft der Restauration nach 1815, die vor allem Anpassung forderte. Ideen individueller Freiheit waren wohl ebenso ins Reich romantischer Träumereien verbannt wie solche von Chancengleichheit und sozialer Gerechtigkeit. Diese wie jene durften nur durch Teufelsspuk hervorgebracht für Momente aufblitzen, um dann schnell wieder in den Tiefen kollektiver Wolfsschluchten zu versinken. So ist »Angst« vielleicht das zentrale Thema im »Freischütz«, das sich hier merkwürdig mit dem Deutschtum verbindet …

Die Inszenierung von Jochen Biganzoli, der in Lübeck mit »Lady Macbeth von Mzensk« und »Der ferne Klang« große Erfolge feierte, verspricht die Frage nach dem Deutschen im »Freischütz« jedenfalls unter größtmöglicher Beteiligung des Lübecker Publikums zur Diskussion zu stellen – mögliche Erregung eingeschlossen.




Erlebnisplätze

Wer Max und Agathe noch etwas näher kommen möchte, wer mittendrin in Klang und Spiel sitzen möchte und das Theater aus einer ungewohnten Perspektive erleben möchte, der kann sich ab sofort einen Erlebnisplatz sichern: Für die zweite Hälfte der Aufführung sind für einen Teil unseres Publikums Erlebnisplätze auf der Bühne eingerichtet. Für Speis und Trank ist gesorgt. Und keine Angst: Mitspielen muss das Publikum nicht.
Beim Kauf der Theaterkarte für einen Vorstellungstermin an der Theater­kasse des Theater Lübeck erhält man auf Wunsch zusätzlich ein kostenloses Ticket für einen Erlebnisplatz. Sofern die Karten bereits über eine andere Vorverkaufskasse gekauft wurden, kann man sich an der Theaterkasse auch nachträglich Tickets für Erlebnis­plätze aushändigen lassen.




MACHEN SIE SICH EIN BILD

Dr. Antje-Britt Mählmann, die neue leitende Kuratorin der Kunsthalle St. Annen, und Carsten Jenß (ltd. Musikdramaturg) im Gespräch über »Bilderwelten und Bildermachen« im »Freischütz« und als Preview auf die neue Ausstellung »Ich und mein Selfie - Künstlerselbstporträts von Liebermann bis Immendorff« (Vernissage am 25.1.2019). Anlässlich der Vernissage können Sie inmitten von großartigen Selbstbildnissen auch die großartige Andrea Stadel (unvergleichlich als »Ännchen« im »Freischütz«) erleben.
Im Anschluss an die Vorstellung »Der Freischütz« am 18/01. In dieser bildmächtigen Produktion gibt es einen ganz besonderen Augenblick: Sie können Ihr Smartphone zücken, fotografieren, »im Bilde sein«. Sprechen wir über Grenzen und Möglichkeiten von Bilderwelten und Bildermachen - im Leben, in der Kunst, im Alltag.




Foto © Paul Leclaire


Premiere
12/10/18

Großes Haus
Dauer ca. 2 Stunden, 50 Minuten (eine Pause)

Musikalische Leitung Andreas Wolf
Inszenierung Jochen Biganzoli
Bühne Wolf Gutjahr
Kostüme Katharina Weissenborn
Video Konrad Kästner
Choreographie Shiao Ing Oei
Chor Jan-Michael Krüger
Dramaturgie Francis Hüsers